Gelesen | Licht und Zorn – Lauren Groff

Licht und Zorn – ein Bild einer Ehe. Ob ich ahnte was mich zwischen den Seiten dieses Buches erwarten würde? Nein. Auf gar keinen Fall ahnte ich auch nur Ansatzweise, wie mich die Ehe der beiden Protagonisten berühren sollte.

Manchmal gründet das Wunder einer idealen Ehe nicht in der Aufrichtigkeit, sondern im Verschweigen. Als Lotto und Mathilde heiraten, kennen sie sich erst wenige Wochen. Sie sind jung und schön und einander vollkommen verfallen. Ihr Glück ist förmlich mit Händen greifbar, und über die Jahre ist ihre Vertrautheit so tief, dass sie sich auch wortlos zu verstehen scheinen. Doch was wissen sie wirklich voneinander? Ahnt Lotto, welchen Zorn Mathilde hinter ihrem sanften Lächeln verbirgt? Und was geschieht, wenn sich eine einzige Annahme in ihrem Beziehungsgeflecht als Illusion herausstellt? Lauren Groff zeichnet das Bild einer Ehe, hinter deren Glanz sich schleichend etwas Dunkles offenbart.

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Im ersten Teil schildert Lotto „Lancelot“ Satterwhite zunächst die Geschichte seines Lebens und dann die Geschichte seiner Ehe mit Mathilde. Ungeduldig wie ich bin, musst eich natürlich im Buch vorblättern, um herauszufinden ob der zweite Abschnitt des Buches „Zorn“ heißen wird und meine Gedanken konnten nicht aufhören sich um die Frage zu drehen, welche Person „Zorn“ sein würde, wenn Lotto das „Licht“ in dieser Geschichte ist. Lottos Version der Ereignisse ist genau das, denn Mathildes Geschichte ist eine ganz andere. Kannte Lotto Mathilde auch nur im Geringsten? Während ich Mathildes Schilderungen lese schleichen sich immer mehr Zweifel ein. Ich frage mich, ob das Leben, das Lotto gelebt hat eine Lüge war. Es gibt so vielen Puzzleteile, die sie ihm vorenthalten hat und die er niemals erfahren sollte.

Lauren Groff hat mit diesem Buch etwas beeindruckendes geschaffen. Beinahe alles wovon ich glaube ich hätte es verstanden und erfasst als Lotto es erzählte, bekommt einen neuen Anstrich, als Mathilde nach seinem Tod ihre eigene Geschichte dieser Eher erzählt. Überwältigt von der sprachlichen Wucht und ein Stück weit fassungslos ob dieser Wendung, bleibe ich nach der Lektüre zurück. Dennoch werde ich noch ein paar Tage brauchen bis sich meine Gefühle zum Gelesenen sortiert haben werden.

Gelesen | Super, und dir? – Kathrin Weßling

Über dieses Buch bin ich gestolpert, also eigentlich bin ich  in eine Lesung gestolpert oder saß da schon und bin dann geblieben. Das liebe ich, denn es war eines meiner schönsten Erlebnisse auf der Leipziger Buchmesse. Da saß ich also noch von der vorherigen Lesung, meine Füße schmerzten und ich wollte nicht so richtig irgendwo hinlaufen, also blieb ich dort. Und dann laß Kathrin Weßling dort wo ich war aus ihrem Buch, dass bald erscheinen würde.

Marlene Beckmann ist jung, hat Marketing studiert und hat augenscheinlich den perfekten Job für den Anfang ihrer Karriere. Sie hat eine romantische Beziehung und Freunde und alles scheint gut zu laufen. Das Leben meint es gut mit ihr, also warum sollte sie sich beschweren? Warum sollte es ihr nicht gut gehen? Warum sollte sie dem Druck nicht gewachsen sein? Die Wahrheit ist, dass weder Marlene noch jeder Einzelne von uns in der Lage ist dem Druck den wir uns oft selbst auferlegen oder der uns von er Gesellschaft auferlegt wird alleine standzuhalten. Warum zerbrechen manche daran und warum andere nicht?

Mehr als alles andere fühlte ich mit der Protagonistin mit und es schmerzte mich zu tiefst zu sehen, wie Marlene Beckmann von niemanden bei dem sie Hilfe suchte ernst genommen wurde. Nicht einmal der Arzt den sie aufsuchte, als sie in Drogensucht abgerutscht war, um leistungsfähig zu bleiben, nahm sie ernst. Was sagt das über den Umgang der Gesellschaft mit diesem ernsten Thema aus?

Diese Texte lösten etwas in mir aus und ich konnte es lange nicht benennen, auch jetzt fällt es mir schwer in Worte zu fassen, was dieses Buch in mir auslöst. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich es durchgelesen, musste beim Lesen mehr als ein Mal intensiv schlucken und mehr als eine Träne wegwischen. Liegt das daran, dass ich mich zumindest in Teilen mit der Protagonistin identifizieren kann? BWL-Absolventin, Job in der feien Wirtschaft, Mitte zwanzig, immer auf der Suche nach der nächsten Anerkennung, dem nächsten Erfolg. Und in jedem Moment bin ich diejenige, die mich unter Druck setzt, die mehr möchte und zwar am liebsten gestern. Geduld – was ist das? Kathrin Weßling zeigt in ihrem Buch wohin dieser Druck so viele junge Menschen meiner Generation geführt hat und vielleicht führen wird. Ich will nicht, dass es soweit kommt und dieses Buch hat mich möglicherweise mehr als wachgerüttelt.

Ich will nicht länger auf die Frage, wie es mir geht, unehrlich antworten. Ich möchte ehrlich kommunizieren was ich fühle und wie es mir geht. Ich will andere nicht täuschen und am wenigsten möchte ich mich selbst täuschen. Ich habe keine Lust mehr vorzugeben, dass immer alles gut sei oder in besonders stressigen Zeiten, wenn ich das Gefühl habe zu zerbrechen lediglich zu sagen: „Ich habe eine harte Woche, aber das geht schon vorüber.“ Ich möchte, dass meine Freunde es nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn ich sage wie es ist bei einem TIER 3 Supplier zu arbeiten. Die Wahrheit ist es gibt einen Unterschied zwischen der Arbeit in der freien Wirtschaft und der Arbeit in anderen Bereichen und damit möchte ich nicht irgendeine Arbeit gering schätzen, sondern lediglich betonen, dass es einen Unterschied gibt.

Für mich hat Kathrin Weßling in diesem Buch sehr gut auf den Punkt gebracht, was den Druck ausmacht dem wir uns tagtäglich aussetzen. Zwischen dem Druck jederzeit ersetzt werden zu können,  fehlenden Perspektiven und dem Zwang zu Selbstoptimierung.

Wo das alles hinführt? Ich weiß es nicht.

Gelesen | Die Seiten der Welt – Kai Meyer

Dieses Buch stand schon super lange auf meiner Leseliste und wurde mir von so vielen ganz nah ans Herz gelegt. Ob das meine Erwartungen an das Buch unverhältnismäßig in die Höhe geschraubt hat? Ich weiß es nicht. Möglicherweise. Ich habe über Wochen immer wieder darin gelesen und konnte darin insgesamt eine schöne Erzählung finde, die mich allerdings nicht nachhaltig berührt hat.

Kennt du das, wenn für dich und ein Buch der Moment nicht stimmt? Wenn das was gerade um dich herum passiert dazu führt, dass du dich nicht vollständig auf ein Buch einlassen kannst?

Mir ist das inzwischen schon öfter passiert und das hat dazu geführt, dass ich solche Bücher oft erstmal beiseite gelegt habe und ihnen vielleicht später noch eine Chance geben wollte. In den meisten Fällen blieben sie allerdings dann ungelesen, denn wie finde ich heraus, was der richtige Zeitpunkt für ein Buch ist? Was, wenn ich nicht weiß was mich erwartet und was die richtigen Umstände wären um darin zu lesen?  Du siehst also die Situation ist nicht ganz einfach.

„Die Seiten der Welt“ habe ich nicht beiseite gelegt und habe das Buch durchgelesen, obwohl meine Stimmung nicht ganz passte. Ich will auch nicht sagen, dass ich komplett enttäuscht war, aber es hat meine Erwartungen nicht erfüllen können. Für mich ein ganz klares Zeichen, dass ich mich zukünftig noch mehr von Erwartungen an Bücher loslösen möchte.

Die Geschichte ist wunderschön und ich liebe den Gedanken, der sich hinter der Geschichte verbirgt und vielleicht werde ich eines Tages noch die anderen Teile lesen oder aber dieser Geschichte eine zweite Chance geben. Dann vielleicht ganz ohne den Druck von Arbeit und Alltag, sondern an ein paar freien Tagen.

Gelesen|Die Schlange von Essex – Sarah Perry

Kennst du das, wenn man Menschen sympathisch findet, weil sie viele Bücher gut finden, die du auch gut findest? Wenn du merkst, dass die Tipps von diesen Personen meistens ins Schwarze treffen? Ich habe auf Instagram einige von Ihnen kennengelernt und dies ist ein Buch, das einer solchen Empfehlung zu Folge bei mir eingezogen ist. Noch dazu durfte ich es als Rezensionsexemplar von litnity.com erhalten.

litnity ist eine Literatur-Community in der Beta-Phase für alle, die gerne lesen und sich vom Austausch mit anderen Lesern immer wieder aufs Neue inspirieren lassen. Schaut gerne mal dort vorbei, ich finde es eine interessante Plattform und bin gespannt wie sie sich weiterentwickeln wird!

Jetzt aber schnell zurück zum Buch. Die Schlange von Essex habe ich schon letztes Jahr gelesen und nun möchte ich euch ein paar meiner Gedanken darüber mitteilen. Eigentlich ist es ein bisschen schwierig darüber zu schreiben, obwohl es doch schon eine Weile her ist. Und eigentlich ist es auch ein bisschen leichter darüber zu schreiben, weil es schon eine Weile her ist. Ich wünschte ich könnte den richtigen Abstand zwischen beenden eines Buches und dem perfekten Moment zum niederschreiben  meiner Gedanken dazu kennen. Das ist aber auch nicht schlimm, denn es ist eben so und das ist auch nicht zu ändern.

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Jetzt aber wirklich zurück zum Buch. Beim Lesen des Buches hat sich in mir der Wunsch verstärkt wieder einmal Richtung Irland, Schottland oder England zu reisen. Und so wird es dieses Jahr auch kommen, denn auch wenn noch nichts gebucht ist, werde ich dieses Jahr nach Schottland reisen. Die Beschreibungen der Landschaft lassen die Umgebung in der die Geschichte spielt in meiner Fantasie lebendig werden.

Die Sprache ist wirkt poetisch und alt, sie erinnert mich ein bisschen an Jane Austen oder Emily Brontë, deren Schreibstil ich sehr gerne mag. Ich wusste nicht genau was mich erwarten würde und habe eine Weile gebraucht mich in die Zeit, die Sprache und die Geschichte hineinzuversetzen. Als dann der Funke übersprang konnte ich gar nicht mehr aufhören darin zu lesen. Das führte dazu, dass ich an einem Mittwoch bis halb zwei Uhr nachts las und es am Donnerstag nur müdigkeitsbedingt bereute, denn die Geschichte lies mich bis zu Ihrem Ende nicht mehr los.

Der Aufhänger der Geschichte ist das Mysterium um die Schlange von Essex, doch wer denkt, dass dieses Rätsel im Zentrum der Geschichte steht liegt falsch. Viel mehr geht es um die Menschen im Umfeld dieses Mysteriums, insbesondere um die Witwe Cora Seaborne. Sie scheint wie aus der Zeit gefallen, interessiert sich für Wissenschaft und ist selbstbestimmter als man es in dieser Zeit erwartet. Sie lernt einen Landpfarrer kennen und die Diskussionen zwischen den beiden sind ganz wunderbar zu lesen. So unterschiedlich sie sind, so sehr fühlen sie sich doch zueinander hingezogen.

Das Buch lebt nicht von Geschwindigkeit, sondern viel mehr von der Schönheit der Sprache, den Begegnungen zwischen verschiedensten Personen und den Briefwechseln, die mir sehr gut gefallen haben. Und über allem schwebt das Mysterium über die Schlange von Essex, das so manchen in den Wahnsinn zu treiben scheint.

Insgesamt bewerte ich das Buch wie Kaffee mit Milch und Zucker (3 von 4 Bewertungseinheiten, nachzulesen hier)

 

Gelesen|Olga – Bernhard Schlink

In der letzten Woche habe ich Olga von Bernhard Schlink gelesen. Das Buch habe ich in der Buchgalerie in Hof gekauft, nachdem ich eine wunderbare Unterhaltung mit der Buchhändlerin meines Vertrauens hatte, die mir den Erzählstil von Bernhard Schlink ans Herz gelegt hat. Dann ist mir noch eingefallen, dass ja auch Der Vorleser vom gleichen Autor ist und das mochte ich damals in der Schule wirklich sehr gerne. Jedenfalls den Erzählstil, denn die Geschichte fand ich schon ziemlich gewagt. Außerdem gibt es ja eine große Welle der Begeisterung, die bezüglich dieses Buchs über Instagram schwappt. Wobei ich gestehen muss, dass ich bei so Begeisterungswellen tendenziell eher vorsichtig werden. Dennoch hat das Buch seinen Weg zu mir gefunden und gerade eben habe ich es zu Ende gelesen.

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Das Buch hat mir von Anfang an durch den schönen Erzählstil in seinen Bann gezogen. Bernhard Schlink kann erzählen und das kann er gut. In drei Abschnitten erzählt er aus verschiedenen Perspektiven von Olga, einer Frau, die kämpft und sich findet. Von einem Mann, der träumt und sich in seinen Träumen verliert. Die Erzählung handelt von einem Leben zwischen Wirklichkeit und Sehnsucht und vom Aufbegehren gegen gesellschaftliche Konventionen.

Es fiel mir schwer in die Geschichte hineinzufinden, weil ich Herbert vom ersten Moment an unsympathisch fand und nicht verstehen konnte, warum Olga Herbert so sehr geliebt hat. Dennoch ist das Buch gefüllt mit Weisheiten über Liebe:

Sie sagte sich, dass man in der Liebe einander nicht verfügbar ist, sondern ein Geschenk, und dass man einander auch im Brief ein Geschenk sein kann.

Und dann ist da immer wieder das Thema der Sehnsucht. Die Sehnsucht die Herbert und Eik und viele andere junge Männer dieser Zeit in sich trugen. Eine Sehnsucht, die sie sich nicht erklären können und die Olga nicht nachvollziehen kann:

Aber auch er will irgendwohin, wo er nicht ist, er weiß nur nicht, wohin.

Ich liebe wie Bernhard Schlink Olga Worte über Beständigkeit in den Mund legt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass dies ein Charakterzug ist, den ich in mir wiederfinden kann. Veränderungen haben für mich einen besonderen Reiz, der von mir fordert aus meiner Wolhfühl-Zone abzubrechen. Dennoch ist das nicht einfach für mich und dann fühle ich mich wie Olga:

Ich hänge an Menschen und Orten, ich brauche Dauer und ich hasse Bücher, ich lebe ein Leben der Beständigkeit.

Mein Fazit zum Buch: Das Buch war für mich insgesamt wie Kaffee mit Milch. (Das entspricht 2/4 auf meiner neuen Bewertungsskala, die ihr gerne hier nachlesen könnt. Damit fühle ich mich wohler als mit der klassischen 5-Stufigen Bewertungsskala, denn ich habe einen Hang dazu mich nicht entscheiden zu können und nehme mir hiermit bewusst die Tendenz zur Mitte) Es fehlte für mich das gewisse Etwas – der Zucker – der das Buch zu etwas besonderem macht. Versteht mich nicht falsch ich habe es gerne gelesen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Wie ist eure Meinung dazu? Was haltet ihr grundsätzlich von Bernard Schlink?

Schönen Abend euch!

Maren