Gelesen | Die Geschichte des Wassers – Maja Lunde

In nannte meine Welt Erde, aber ich dachte eigentlich müsste sie Wasser heißen. – Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser.

Soweit der Klappentext zu einem Buch auf das ich seit „Die Geschichte der Bienen“ mehr als sehnsüchtig gewartet habe. Schon allein das Layout weckt meine Erinnerung an das Buch, das mich letztes Jahr so sehr in seinen Bann gezogen und mich bis heute nicht losgelassen hat.

Letztes Jahr die Bienen und nun dieses Jahr das Wasser. Beides sind Themen, die unsere Umwelt betreffen und beides sind Themen, die es wert sind angesprochen zu werden. Die Bienen und das Wasser – beide sind bedroht durch das was wir Menschen mit unserer Umwelt anstellen ohne Rücksicht auf sie zu nehmen.

In geübter Manier verwebt die Autorin die Schicksale aus zwei Zeiten miteinander. In Norwegen im Jahr 2017 lernen wir aus der Sicht einer in die Jahre gekommenen Umweltaktivistin über den Ist-Zustand und darüber wie sich die Situation in den letzten Jahrzehnten immer weiter verschärft hat. Der zweite Handlungsstrang ist im Jahr 2041 angesiedelt. In dieser Zeit sind die Menschen aus Südeuropa gezwungen aufgrund einer großen Dürre in Richtung Norden zu fliehen. Hier begleitet der Leser David und seine Tochter Lou auf der Flucht in Richtung Norden.

Ich habe dieses Buch super gerne gelesen, dennoch hinterließ es in mir nicht annähernd einen ähnlichen Eindruck wie „Die Geschichte der Bienen“. Ich denke das liegt an zwei Gründen. Erstens habe ich mich in der Vergangenheit bereits deutlich intensiver mit dem Thema Wasser auseinandergesetzt, entsprechend war der Lerneffekt und auch der Eindruck den das Buch bei mir hinterließ nicht annähernd so groß, denn „Die Geschichte der Bienen“ brachte für mich einige neue fundamentale Erkenntnisse mit sich. Der zweite Grund ist, dass der gesamte Aufbau des Buches sehr an die Lektüre von letztem Jahr erinnert und ich somit darauf eingestellt war, dass die beiden Handlungsstränge gegen Ende des Buches auf irgendeine Art und Weise zusammenlaufen würden.

Maja Lunde verfasst ganz wunderbare Bücher zu Themen, die es mehr als verdienen auf diese Art und Weise mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich genieße ihren wunderbaren und durchdachten Schreibstil sehr.

Gelesen | Kennen Sie diesen Mann? – Carl Frode Tiller

Was ist Wahrheit? Was ist Lüge? David hat sein Gedächtnis verloren. Er weiß nicht mehr, wer er ist. Deshalb stellt er Fragen. Und seine Freunde geben Antworten. Aber sind es die richtigen?

Am Anfang steht eine Zeitungsanzeige. David hat sein Gedächtnis verloren und auf seinen Aufruf hin, melden sich drei Personen, die in der Vergangenheit verschieden intensive Beziehungen zu ihm hatten: ein alter Freund, sein Stiefvater und eine alte Freundin aus Schulzeiten.

Die Geschichte wechselt für jeden Erzähler zwischen den Briefen, die sie an David schreiben und Schilderungen ihrer gegenwärtigen Situation ab. Für mich kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass ich in diesem Buch weit aus weniger über David erfahren würde als ich mir vorgestellt hatte. Viel mehr wird durch die Briefe an ihn offenbart, was der jeweilige Schreiber des Briefes vermitteln möchte. Wie weit das von der Realität entfernt ist? Interpretationssache. So wie auch unsere Wahrnehmung von Menschen und unseren Beziehungen zu ihnen sehr subjektiv ist und je mehr Zeit verstreicht, desto mehr romantisieren wir die Erinnerungen, die wir an eine Beziehung oder einen Menschen haben. Was bleibt also übrig von der tatsächlichen Erinnerung?

Und dann ist da natürlich noch der Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Können wir von anderen wirklich so viel über uns selbst erfahren, dass wir uns wieder erinnern können? Ich bin mir sicher, dass das eine Wissenschaft für sich ist und da ich mich damit nicht auskenne belasse ich es dabei. Die andere Frage, die sich mir aufdrängt ist, ob in die Hinweise, die David von seinen Freunden und seiner Familie darüber erhält wer er war tatsächlich hilfreich sind. Denn wenn wir nur mal einen Augenblick lang ehrlich sind, dann wissen wir doch  gar nicht so sehr, was unsere Familie und unsere Freunde wirklich über uns denken oder wie sie uns wahrnehmen.

Gerade aus psychologischer Sicht, fand ich das Buch sehr interessant. Es hat sich wirklich gut durchlesen lassen, allerdings hat es mich nicht nachhaltig beeindruckt, insbesondere deshalb nicht, weil ich mir gewünscht hätte tatsächlich etwas von David über seine eigene Situation zu erfahren und vielleicht auch wie er auf die Briefe reagiert.

Gelesen | Dunkelgrün fast schwarz – Mareike Fallwickl

Ein Buch über das bereits vor dem Erscheinen super viel geschrieben wurde, habe ich mir direkt am Tag nach dem es erschienen ist gekauft, denn ich konnte es einfach nicht erwarten. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht.

Das Buch greift ein Thema auf, dass oft untergeht, obwohl ich glaube, dass toxische Beziehungen, die von Manipulation und Machtspiele geprägt sind, sehr verbreitet sind und ich finde nicht, dass man die Augen davor verschließen sollte. Denn jeder von uns ist dafür verantwortlich auf sich aufzupassen und Grenzen zu setzen um sich selbst zu schützen. Das Buch lebt für mich von der Erzählweise. Immer wieder erfährt der Leser bruchstückhafte Fragmente, die sich schließlich zu einem fabelhaft schlüssigen Mosaik zusammensetzen. Ich war während des Lesens fast dauerhaft verwirrt und hätte mich oft mal gewünscht, dass jetzt kein Bruch in der Geschichte einer Person war und ich jetzt sofort erfahren könnte, wie es weitergeht, aber dem war nicht so und das ist gut so. Diese Geschichte hat bei mir Erinnerungen geweckt und Gefühle ausgelöst und Erkenntnisse freigesetzt, die mich noch lange begleiten werden, weit über dieses Jahr – für das dieses Buch schon ein klares Highlight ist – hinaus.

Ich weiß, dass der Trubel um dieses Buch in verschiedenen Menschen unterschiedliche Gefühle hervorruft. Ich will dazu auch wirklich nicht viel sagen. Dennoch weder die Autorin Mareike Fallwickl, noch das Buch selbst, können etwas dafür, dass das Buch bei so überdurchschnittlich vielen Lesern gut ankommt. Ich glaube nicht, dass ein Hype einem Buch gut tun oder schaden kann. Hier herrscht lediglich Freude darüber, dass dieses außergewöhnlich Buch von so vielen Lesern gemocht wird, denn in meinen Augen hat diese außergewöhnlich erzählte Geschichte diese Aufmerksamkeit mehr als verdient.

Also bitte: lasst doch den Hype einfach Hype sein und das Buch eben ein Buch. Mareike ist super sympathisch und ich freue mich auf alles was sie in naher und fernen Zukunft noch schreiben wird.

Gelesen|Die Schlange von Essex – Sarah Perry

Kennst du das, wenn man Menschen sympathisch findet, weil sie viele Bücher gut finden, die du auch gut findest? Wenn du merkst, dass die Tipps von diesen Personen meistens ins Schwarze treffen? Ich habe auf Instagram einige von Ihnen kennengelernt und dies ist ein Buch, das einer solchen Empfehlung zu Folge bei mir eingezogen ist. Noch dazu durfte ich es als Rezensionsexemplar von litnity.com erhalten.

litnity ist eine Literatur-Community in der Beta-Phase für alle, die gerne lesen und sich vom Austausch mit anderen Lesern immer wieder aufs Neue inspirieren lassen. Schaut gerne mal dort vorbei, ich finde es eine interessante Plattform und bin gespannt wie sie sich weiterentwickeln wird!

Jetzt aber schnell zurück zum Buch. Die Schlange von Essex habe ich schon letztes Jahr gelesen und nun möchte ich euch ein paar meiner Gedanken darüber mitteilen. Eigentlich ist es ein bisschen schwierig darüber zu schreiben, obwohl es doch schon eine Weile her ist. Und eigentlich ist es auch ein bisschen leichter darüber zu schreiben, weil es schon eine Weile her ist. Ich wünschte ich könnte den richtigen Abstand zwischen beenden eines Buches und dem perfekten Moment zum niederschreiben  meiner Gedanken dazu kennen. Das ist aber auch nicht schlimm, denn es ist eben so und das ist auch nicht zu ändern.

Jetzt aber wirklich zurück zum Buch. Beim Lesen des Buches hat sich in mir der Wunsch verstärkt wieder einmal Richtung Irland, Schottland oder England zu reisen. Und so wird es dieses Jahr auch kommen, denn auch wenn noch nichts gebucht ist, werde ich dieses Jahr nach Schottland reisen. Die Beschreibungen der Landschaft lassen die Umgebung in der die Geschichte spielt in meiner Fantasie lebendig werden.

Die Sprache ist wirkt poetisch und alt, sie erinnert mich ein bisschen an Jane Austen oder Emily Brontë, deren Schreibstil ich sehr gerne mag. Ich wusste nicht genau was mich erwarten würde und habe eine Weile gebraucht mich in die Zeit, die Sprache und die Geschichte hineinzuversetzen. Als dann der Funke übersprang konnte ich gar nicht mehr aufhören darin zu lesen. Das führte dazu, dass ich an einem Mittwoch bis halb zwei Uhr nachts las und es am Donnerstag nur müdigkeitsbedingt bereute, denn die Geschichte lies mich bis zu Ihrem Ende nicht mehr los.

Der Aufhänger der Geschichte ist das Mysterium um die Schlange von Essex, doch wer denkt, dass dieses Rätsel im Zentrum der Geschichte steht liegt falsch. Viel mehr geht es um die Menschen im Umfeld dieses Mysteriums, insbesondere um die Witwe Cora Seaborne. Sie scheint wie aus der Zeit gefallen, interessiert sich für Wissenschaft und ist selbstbestimmter als man es in dieser Zeit erwartet. Sie lernt einen Landpfarrer kennen und die Diskussionen zwischen den beiden sind ganz wunderbar zu lesen. So unterschiedlich sie sind, so sehr fühlen sie sich doch zueinander hingezogen.

Das Buch lebt nicht von Geschwindigkeit, sondern viel mehr von der Schönheit der Sprache, den Begegnungen zwischen verschiedensten Personen und den Briefwechseln, die mir sehr gut gefallen haben. Und über allem schwebt das Mysterium über die Schlange von Essex, das so manchen in den Wahnsinn zu treiben scheint.

Insgesamt bewerte ich das Buch wie Kaffee mit Milch und Zucker (3 von 4 Bewertungseinheiten, nachzulesen hier)

Gelesen|Olga – Bernhard Schlink

In der letzten Woche habe ich Olga von Bernhard Schlink gelesen. Das Buch habe ich in der Buchgalerie in Hof gekauft, nachdem ich eine wunderbare Unterhaltung mit der Buchhändlerin meines Vertrauens hatte, die mir den Erzählstil von Bernhard Schlink ans Herz gelegt hat. Dann ist mir noch eingefallen, dass ja auch Der Vorleser vom gleichen Autor ist und das mochte ich damals in der Schule wirklich sehr gerne. Jedenfalls den Erzählstil, denn die Geschichte fand ich schon ziemlich gewagt. Außerdem gibt es ja eine große Welle der Begeisterung, die bezüglich dieses Buchs über Instagram schwappt. Wobei ich gestehen muss, dass ich bei so Begeisterungswellen tendenziell eher vorsichtig werden. Dennoch hat das Buch seinen Weg zu mir gefunden und gerade eben habe ich es zu Ende gelesen.

Das Buch hat mir von Anfang an durch den schönen Erzählstil in seinen Bann gezogen. Bernhard Schlink kann erzählen und das kann er gut. In drei Abschnitten erzählt er aus verschiedenen Perspektiven von Olga, einer Frau, die kämpft und sich findet. Von einem Mann, der träumt und sich in seinen Träumen verliert. Die Erzählung handelt von einem Leben zwischen Wirklichkeit und Sehnsucht und vom Aufbegehren gegen gesellschaftliche Konventionen.

Es fiel mir schwer in die Geschichte hineinzufinden, weil ich Herbert vom ersten Moment an unsympathisch fand und nicht verstehen konnte, warum Olga Herbert so sehr geliebt hat. Dennoch ist das Buch gefüllt mit Weisheiten über Liebe:

Sie sagte sich, dass man in der Liebe einander nicht verfügbar ist, sondern ein Geschenk, und dass man einander auch im Brief ein Geschenk sein kann.

Und dann ist da immer wieder das Thema der Sehnsucht. Die Sehnsucht die Herbert und Eik und viele andere junge Männer dieser Zeit in sich trugen. Eine Sehnsucht, die sie sich nicht erklären können und die Olga nicht nachvollziehen kann:

Aber auch er will irgendwohin, wo er nicht ist, er weiß nur nicht, wohin.

Ich liebe wie Bernhard Schlink Olga Worte über Beständigkeit in den Mund legt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass dies ein Charakterzug ist, den ich in mir wiederfinden kann. Veränderungen haben für mich einen besonderen Reiz, der von mir fordert aus meiner Wolhfühl-Zone abzubrechen. Dennoch ist das nicht einfach für mich und dann fühle ich mich wie Olga:

Ich hänge an Menschen und Orten, ich brauche Dauer und ich hasse Bücher, ich lebe ein Leben der Beständigkeit.

Mein Fazit zum Buch: Das Buch war für mich insgesamt wie Kaffee mit Milch. (Das entspricht 2/4 auf meiner neuen Bewertungsskala, die ihr gerne hier nachlesen könnt. Damit fühle ich mich wohler als mit der klassischen 5-Stufigen Bewertungsskala, denn ich habe einen Hang dazu mich nicht entscheiden zu können und nehme mir hiermit bewusst die Tendenz zur Mitte) Es fehlte für mich das gewisse Etwas – der Zucker – der das Buch zu etwas besonderem macht. Versteht mich nicht falsch ich habe es gerne gelesen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Wie ist eure Meinung dazu? Was haltet ihr grundsätzlich von Bernard Schlink?

Schönen Abend euch!

Maren

Gelesen | Meine Nachmittage mit Eva – Bärbel Schäfer

Nicht das erste Mal, dass ich euch mitteile wie sehr ich Literatur über den 2. Weltkrieg schätze. Die Thematik packt mich und durch dieses Buch ist mir wieder ein Stück weit klarer geworden, warum das so ist: Das gesamte Thema ist ohne Frage furchtbar und entsetzlich und eigentlich so grausam, dass es gar nicht in Worte zu fassen ist. Und gerade deshalb schätze ich all jene Menschen, die es schaffen diese Thematik in Worte zu fassen. Ein bisschen von dem Schmerz und dem Leid einzufangen. Und nicht nur das auch Hoffnung und Liebe und den Blick in eine Zukunft, die es wert ist weiterzukämpfen. Tag für Tag immer wieder neu.

Worum es geht?

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde …

Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers. Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.

Was ich darüber denke?

Ich wusste anfangs nicht so recht, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Ich konnte mir unter der Beschreibung, die auf dem Klappentext zu lesen ist kein konkretes Konzept vorstellen. Bärbel Schäfer erzählt von Ihren Begegnungen mit Eva, die als Kind das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat. Heute im hohen Alter findet Eva Worte für all die Grausamkeiten, die ihr widerfahren sind und wie sie sich lange Zeit in Schweigen gehüllt hat.

Es gibt keine Worte für Evas Schmerzgewitter

Bärbel Schäfer beleuchtet nicht nur den Aspekt der jüdischen Opfer. Diese Seite kennt sie sowohl aus Evas Sicht als auch aus der Sicht ihres jüdischen Ehemannes, dessen Familie auch Erfahrungen in dieser Hinsicht sammeln musste. Bärbel Schäfer ist in einer christlichen Familie aufgewachsen, aber später zum Judentum konvertiert. Sie selbst bezeichnet sich als nicht religiöse Person.

Alles war möglich, weil man nichts erzählte und damit nichts zu wissen schien.

In ihrer eigenen Familie wurde über das Thema 2.Weltkrieg ihr Leben lang geschwiegen, sie weiß so wenig und bei Nachfragen, werden ihr immer wieder nur Ausreden und Ausflüchte präsentiert. Auch diese Familie schweigt. Das Schweigen ist anders motiviert als Evas schweigen, dennoch wird auch hier geschwiegen. Diese Verflechtungen machen das Buch für mich besonders interessant, denn die Autorin ist in dieses Spannungsfeld zwischen Tätern und Opfern involviert.

Die Verflechtungen zwischen den Erinnerungen von denen Eva berichtet und den aktuellen Erlebnissen und Gedanken, die Eva bewegen ist besonders gut gelungen. Sie schafft eine Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und lässt auch den Ausblick auf eine noch ungewisse Zukunft nicht außen vor. Was gibt es zu lernen? Was haben wir noch immer nicht verstanden? Und immer wieder: Wehret den Anfängen!

Die Frage, ob man genug gefragt, genug gelesen, genug Verstanden hat um was es geht beschäftigt mich genauso sehr wie Bärbel Schäfer. Sind wir uns wirklich klar, was damals geschehen ist und was heute wieder geschieht. Sind wir bereit einen Beitrag zu leisten für eine Zukunft, die es wert ist in ihr zu leben? Ich weiß es nicht.

Zwischendurch gibt es Kapitel im Buch, die für mich teilweise absolut fehl am Platz wirken. Sie passen nicht in den Gesamtablauf – weder chronologisch noch thematisch. Sie einzuordnen ist mir bis zum Ende des Buches nicht gelungen.

Am Ende steht die Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir verstehen werden. Die Hoffnung, dass wir für unsere Werte einstehen werden. Die Hoffnung, dass wir nach unseren Werten handeln werden.

Lieblingszitat.

Denn es gibt sie, die Engel. Ihr müsst sie nur suchen. Immer wieder suchen. Ihr müsst eine so große Sehnsucht danach haben und euch anstrengen, immer wieder und allen Rückschlägen zum Trotz. Ihr werden sie finden. Daran möchte ich glauben. Daran glaube ich.

Die Teufel dürfen nicht das letzte Wort haben. Vergesst das nie!

Mein Fazit.

Ich glaube, dass Bücher zu diesem Thema wichtig sind. Daran glaube ich ganz fest. Diese Buch war insgesamt gut, aber phasenweise etwas anstrengend. Es gab Kapitel, die fehl am Platz wirkten, aber insgesamt gibt das Buch einen tollen Einblick aus einer seltenen Perspektive. Bärbel Schäfer lässt den Leser an ihren Gedanken teilhaben und an denen Evas. Gegen Ende des Buches verlangte mir das Buch dann gefühlsmäßig noch einmal alles ab. Ich saß da und wusste nicht ein noch aus.

Wir versuchen, diesen Ort zu verstehen. Er ist nicht zu verstehen. Dieser Hass, diese Gewalt ist übermächtig. Seine Willkür kaum auszuhalten.

Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen, dennoch gab es eine Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben. Ich vergebe also 3 von 5 Bewertungseinheiten.

Wie steht ihr zu Literatur zum 2. Weltkrieg? Habt Ihr für mich Buchempfehlungen zum Thema?

Alles Liebe

Maren

Gelesen | Ganz für mich – tausend gute Gründe, das Alleinsein zu feiern – Idalia Candelas

Idalia Candelas hat mit diesem wunderschön illustrierten Buch eine Erinnerung daran geschaffen, dass Alleinsein mehr als okay ist. Denn heute gibt es für mich Tausend Gründe mein Alleinsein zu feiern. 

Worum es geht?

Single-Frauen, so das Klischee, sind deprimiert und verzweifelt. Sie hängen missmutig auf dem Sofa rum und schütten in schönster Bridget-Jones-Manier literweise Rotwein in sich hinein. Doch das Alleinsein hat auch herrliche Seiten – das beweist die mexikanische Illustratorin Idalia Candelas in ihrem Buch »Ganz für mich«. Ihre Zeichnungen zeigen allein lebende Frauen, die sich in ihrer Haut und in ihrem Zuhause rundum wohlfühlen: Sie sind frei und unabhängig, haben das Bett und das Bad für sich allein, können stundenlang auf dem Sofa rumlümmeln, lesen, mit Freunden quatschen – und dann gehen sie raus und erobern voller Selbstbewusstsein die Welt. Aufgepasst, Ladys, Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit – es wird Zeit, dass wir das Single-Dasein gebührend feiern!

Was ich darüber denke?

Ich bin verliebt in die Illustrationen seitdem ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe. Ich glaube auch mich daran zu erinnern einige der Zeichnungen schon mal in Social Media gesehen zu haben. Gestalterisch ist dieses Buch absolut liebenswert und allein deshalb werde ich es wohl mehr als einmal in die Hand nehmen.

Das Buch ist liebevoll gestaltet und die Texte zu den Bildern sind gefühlvoll gewählt. Bei einigen denke ich mir „Wow! Wie wunderbar“ und bei anderen versetzen die Worten mir einen Stich und die Gedanken sind „Ja, das kenne ich und das ist gar nicht mal angenehm“ An vielen Tagen geht es mir richtig gut und dann kuschle ich mich in meiner Wohnung auf dem Sofa ein und mache es mir gemütlich. Ich kann mich mit den meisten Situationen in diesem Büchlein gut identifizieren – mit den Guten und den Schlechten.

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Kennst du diese Fragen von deinen verheirateten oder in Beziehung lebenden Freunden? Hast du das Gefühl, dass es Ihnen schlimmer erscheint, wenn Frauen Singles sind als wenn Männer Singles sind?

Und kennst du auch die Antworten und Gedanken, die mir im Kopf herum schwirren, wenn mir diese Fragen gestellt werden?

Nein – ich bin nicht in einer Beziehung. Ja – es geht mir gut. Dass ich alleine lebe bedeutet nicht, dass ich einsam bin. Klar gibt es Momente in denen es mir nicht so gut geht, aber wir leben in einer Zeit in der ich arbeite und Geld verdiene. Genug Geld verdiene um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich bin nicht auf einen Mann angewiesen, um überleben zu können. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht über Liebe freuen werde, wenn sie mir begegnet. Was ich damit sagen möchte ist: es geht mir gut und ich brauche dein Mitleid nicht.

Ob ich also einsam oder traurig bin? – Also nein: ich fühle mich nicht einsam.

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Mein Fazit.

Insgesamt ist es ein wundervolles kleines Buch gefüllt mit wunderschönen Bildern und einer Handvoll Wahrheiten, die jeder von uns egal ob in einer Beziehung oder nicht hin und wieder hören darf. Für mich also ein Buch, dass mich durchaus inspiriert hat. Und dennoch wünsche ich mir eigentlich nicht, dass es von Singles (egal ob männlich oder weiblich) gelesen wird, sondern vielmehr möchte ich es den Paaren in meiner Umgebung vorsetzen, die meinen mich mitleidig angucken zu müssen.

Und bitte: feiert euer Leben, egal ob Single oder nicht. Feiert das Glück und die Liebe (und die findet man ja auch in Familie, Freundschaften und bei den besten Kollegen) und die Abenteuer. Lebt!

Alles Liebe

Maren

Gelesen|Bilder deiner großen Liebe – Wolfgang Herrndorf

Wie dieses Buch zu mir gekommen ist. Eine Empfehlung in einem Livestream – ein Besuch in meiner liebsten Buchhandlung. Nein, eigentlich 3 Besuche in meiner liebsten Buchhandlung, denn ich verschenkte dieses Buch 2 Mal bevor ich es schließlich für mich selbst kaufte. Nach der Lektüre von „Tschick“ konnte ich dann nicht anders und musste direkt „Bilder deiner großen Liebe lesen“ – ich konnte einfach nicht anders.

Worum geht es ?

Ein Mädchen steht im Hof einer Anstalt. Das Tor geht auf, das Mädchen huscht hinaus und beginnt seine Reise, durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang: «Die Sterne wandern, und ich wandre auch.» Isa heißt sie, und Isa wird den Menschen begegnen – freundlichen wie rätselhaften, schlechten wie traurigen. Einem Binnenschiffer, der vielleicht ein Bankräuber ist, einem merkwürdigen Schriftsteller, einem toten Förster, einem Fernfahrer auf Abwegen. Und auf einer Müllhalde trifft sie zwei Vierzehnjährige, einer davon, der schüchterne Blonde, gefällt ihr.

An dem Roman über die verlorene, verrückte, hinreißende Isa hat Wolfgang Herrndorf bis zuletzt gearbeitet, er hat ihn selbst noch zur Veröffentlichung bestimmt. Eine romantische Wanderschaft durch Tage und Nächte; unvollendet und doch ein unvergessliches Leseerlebnis. «Ich halte das Tagebuch wie einen Kompass vor mich hin. Pappelsamen schneien um mich herum, und der süße Duft der Lichtnelken strömt durch die Nächte. Ich sehe einen Wald, aus dem vier hohe Masten aufragen über die Baumwipfel. Am Waldrand steht eine kleine Hütte, die Teil eines Wanderwegs ist, wie drei eingekastelte Zeichen verraten. Ein schwarzer Gedankenstrich, eine gelbe Schlange, ein rotes Dreieck. Mein Name.»

Was ich darüber denke ?

Ich hatte mich nach „Tschick“ sehr darauf gefreut die geheimnisvolle und verdrehte Isa besser kennenzulernen. Und das ist genau das, was ich während ich „Bilder deiner großen Liebe“ lese, nicht tue. Klar wir lernen Isa kennen, aber nicht so wie ich es erwartet hatte, sondern auf eine sehr viele intensivere Art und Weise, denn Isa ist unsere unzuverlässige Erzählerin. Ich tauche direkt ohne irgendwelches Vorgeplänkel in die Geschichte ein. Ich sehe die Welt so wie Isa sie sieht und auch nur das was sie mir erzählen möchte. Sie teilt ihr Gedankenwelt mit mir. Oft bin ich verwirrt, doch fast genauso häufig beeindrucken mich die tiefsinnigen Gedanken, die sie fast.

Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.

Verrückt – ja das ist Isa wohl und die Reise auf der wir sie begleiten folgt keinem logischen Weg. Die Landschaft verändert sich so rasant wie sie sich auf einer Reise zu Fuß kaum verändern kann und ich verliere das Zeitgefühl während ich mit Isa durch Deutschland laufe fast vollkommen. Einer der wenigen fixen und zuverlässigen Punkte der Geschichte ist die Begegnung mit Maik und Tschick – die beiden kannte ich ja schon aus „Tschick“. Und für mich ist es einer der wenigen fixen Punkte in einer sonst chaotischen und unlogischen Erzählung. Bitte fasst das nicht negativ auf! Ich finde es passt so gut zu der ganze Geschichte und der Art und Weise wie ich Isa wahrnehme. So wie sie sich selbst wahrnimmt. Sie widerspricht sich mehr als einmal selbst und auch das passt für mich gut in das gesamte Konzept des Buches.

Das Buch ist gefüllt mit interessanten Begegnungen und plötzlichen Weisheiten da wo ich sie nicht erwartet hätte und gerade das sind für mich die kleinen Schmuckstücke in dieser umstrukturieren Geschichte, die mich als Strukturliebhaber schon gehörig herausfordert. And er ein oder anderen Stelle erwische ich mich dabei zu denken: „Hätte man das nicht besser strukturieren können? Hilfe! Wo bin ich? Was ist den jetzt schon wieder passiert?“

Nicht wichtig, bis auf die Liebe, und im Grund war auch die Liebe nicht wichtig. Sondern der Weg zu ihr. Das war das größte Glück.

Viele Gedanken kann ich nicht zu Ende denken und so vieles bleibt offen. Und das scheint mir charakteristisch für diese Zeilen, die Wolfgang Herrndorf ich den letzten Monaten und Wochen seines Lebens geschrieben hat. Das Nachwort gibt einen Überblick darüber wie dieser unvollendete Roman zustand kam und welchen Schwierigkeiten sich Autor und Herausgeber stellen mussten. Bis zu letzt war die kein einfaches Projekt und doch bin ich mehr als froh, dass sich Menschen dieser Herausforderung gestellt haben, denn ich möchte diese Zeilen nicht missen.

Mein Fazit.

Ich finde, dass „Bilder deiner großen Liebe“ ein absolutes Must-read ist für jeden der „Tschick“ lieb gewonnen hat. Es ist ganz anders, denn Isa ist ja nicht Maik. Die Geschichte ist chaotisch und unstrukturiert, aber auch das ist Isa. Für mich war das Lesen an vielen Stellen eine Herausforderung, da ich ein Strukturmensch bin, aber das hängt mit mir zusammen und nicht mit dem Buch. Dass der Roman unvollendet ist hätte ich vermutlich nicht gemerkt, wenn ich es nicht gewusst hätte. Ich habe Isa sehr gerne auf ihrer Reise begleite und ihre Worte hallen noch in meinem Kopf nach.

So schön ist alles, wenn es schön ist, aber meistens ist es nur in meinem Kopf.

Alles Liebe

Maren

Gelesen | Tschick – Wolfang Herrndorf

Mein erstes Buch von Wolfgang Herrndorf. Tschick ist auf einem ganz besonderem Weg in meine Hände gefunden. Denn aufmerksam geworden bin ich auf Wolfgang Herrndorf durch einen Livestream der wunderbaren Buchhandlung ocelot aus Berlin (ich war selbst noch nie dort, aber die Livestreams lassen meine Wunschliste permanent länger werden). Das Buch wurde mit letztendlich von der lieben Simone zugeschickt, die das Buch einer Freundin schenken wollte, die das dann allerdings nicht haben wollte. Und so kam es diese Woche mit der Post an und innerhalb von zwei Tagen hatte ich es zu Ende gelesen.

Worum geht es?

„Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›“

Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Meine Meinung zum Buch

Das Buch liest sich ganz wunderbar. Ich und die Erzählung sind sehr schnell miteinander warm geworden und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Ich habe das Buch förmlich verschlungen, während ich mit Maik und Tschick durch Deutschland gereist bin.

Die beiden sind als Charaktere von Anfang an sehr interessant und ich war sehr neugierig wie sich die Dynamik zwischen den beiden entwickeln würde. Aber nicht nur die Protagonisten im Buch sind außergewöhnlich, sondern ausnahmslos jede Person, die in ihrem Umfeld ist und der sie begegnen. Vermutlich liegt das aber auch daran, dass alles was beschrieben und berichtet wird besonders wird sobald Maik es erzählt. Der Erzählstil ist von einer Leichtigkeit geprägt, die ich liebe und doch merkt man wie wohl gewählt jedes einzelne Wort ist und alles das was erzählt wird. Die Art und Weise wie Maik die Welt um ihn herum wahrnimmt und was er empfindet verleihen der Geschichte eines ganz tollen Charme.

Die Geschichte ist witzig, absurd, schön und traurig. Zu keinem Zeitpunkt ist die Geschichte kitschig. Ganz im Gegenteil gibt es viele skurrile und düstere Momente. Das Buch ist als Gesamtkomposition super gut gelungen.

Lieblingszitate

Für mich gab es keine besonders herausragenden Passagen, da die ganze Geschichte so wunderbar erzählt ist. Dennoch möchte ich euch dieses Zitat mitgeben, weil ich mich manchmal frage, ob es wirklich jeden Tag etwas gibt wofür ich dankbar sein kann. Denn ganz ehrlich manche Tage sind einfach furchtbar und dann ist es vielleicht gut, wenn er einfach vorbei ist:

Und das war das Beste an diesem Tag, dass er endlich zu Ende war.

Das Zweite Zitat ist für all die Momente, die mir die Sprache rauben, denn das passiert – öfter als ihr vielleicht denkt – obwohl ich so wahnsinnig vernarrt in unsere wunderschöne Sprache bin:

… und ich fragte mich, warum das eigentlich so schön war. Ich wollte sagen, wie schön es war, oder jedenfalls wie schön ich es fand und warum, oder wenigstens, dass ich nicht erklären konnte warum, und irgendwann dachte ich, es ist vielleicht auch nicht nötig es zu erklären.

Mein Fazit

Einfach nur: Wow! Ich bin schockverliebt in dieses Buch, in dieses Schreibstil. Ich bin positiv überrascht, dass dieses Buch mich so umhauen konnte. Eine tolle und außergewöhnliche Geschichte, gepaart mit etwas skurrilen Aspekten verpackt in einer wunderschönen Erzählung.

Ich habe es sehr gerne gelesen und bin schon gespannt darauf mehr von Wolfgang Herrndorf zu lesen.

Alles Liebe

Maren

Gelesen|WHEN WE WERE ALIVE – C.J. FISHER

Ein paar Worte vorab: Ich wäre selbst nie auf die Idee gekommen mir dieses Buch zu kaufen. Ich hätte es nicht auf dem Schirm gehabt – es wäre nie in meine engere oder auch nur weitere Auswahl gekommen. Umso dankbarer bin ich, dass sich dieses Buch in meinem Päckchen unseres diesjährigen Bücherwichtelns befand.

Ausgewählt hat das Buch Sophia (schaut gerne mal bei ihr vorbei: https://www.instagram.com/pfirsichfuchs_liest/) und ich habe dann auch ziemlich schnell angefangen darin zu lesen, denn die empfehlenden Worte auf der beiliegenden Postkarte in Verbindung mit dem Klappentext haben in mir ein großes Interesse and diesem Buch geweckt.

Worum geht es?

When we first met Bobby, he is a shy, 12-year-old magician who falls in love with his best friend.

William is consumed with self-hate and drinks to escape the memories of his father’s sadness and his mothers death.

Myles is writing letter to a mother he has never met.

Three different people from three different times each explore the dark side of relationships, search for beauty in sadness and try to bear the burden of guilt from living in a world powerless to fix.

Meine Meinung zum Buch

Für mich war es am Anfang nicht ganz so einfach in das Buch hinein zu finden, da ich schon länger keine englischsprachige Literatur gelesen hatte. Nach ein paar Kapiteln Eingewöhnungszeit viel mir das Lesen dann schon deutlich leichter und ich machte mir nicht mehr so viele Gedanken darüber, ob ich auch wirklich jede Feinheit des Textes verstehen würde. Es ist nämlich so, dass ich nicht besonders regelmäßig englische Bücher lese, obwohl ich die Sprache wahnsinnig gerne mag.

Die einzelnen Leseabschnitte sind für sich und in sich schon super interessant. Ich durfte viele über die Gedankenwelt und die Wahrnehmung der Lebensrealität der einzelnen Charaktere lernen. Nach jedem Kapitel wechselt dann sowohl der Erzähler als auch der Zeitabschnitt. Was über weite Abschnitte des Buches sehr willkürlich wirkt, ergibt zum Ende hin perfekt Sinn. Einige der Zusammenhänge auch nach Ende des Buches noch ein Rätsel sind, wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass dies durch die Autorin gewollt ist.

Die sprachliche Gestaltung des Buches trug für mich enorm zum Lesegenuss bei und ich habe die vielen wunderschön gewählten und formulierten Sätze sehr genossen. Dadurch, dass ich nicht in meiner Muttersprache gelesen habe, besteht die Möglichkeit, dass mir einige der Schönheiten entgangen sind, dennoch habe ich die, die ich erkennen konnte sehr gefeiert!

Ich habe es geliebt gemeinsam mit den Charakteren zu fühlen. Zu lachen und zu weinen. Zu erleben wie Beziehung beginnen, scheitern, zerbrechen. C.J. Fisher ermöglicht uns Einblicke in die dunklen Seiten von Beziehungen. Sie romantisiert nicht und mal die Dinge nicht schöner als sie sind. Zu lesen wie Menschen Schönheit in Traurigkeit suchen und versuchen in einer Welt zu leben, die sie nicht heilen können und die sie nicht heilen kann, war ein wunderbares Leseerlebnis.

Lieblingszitate

Es gab einige Sätze, die ich auch außerhalb des Kontexts des Buches mehr als wunderschön finde und diese möchte ich hier gerne mit euch teilen.

My life has been fairly short but it’s still the most time I’ve ever spent doing anything, so it has a lot of details.

Der Protagonist, der Briefe an eine Mutter schreibt, die er nie kennenlernen konnte beendet seine Briefe mit ‚potential last line for a novel‘:

Potential last lines for a novel:

And so they were nowhere, closest to everywhere.I began in reverse.

Und dann sind da noch diese feinen und kleinen aber dennoch wahnsinnig kraftvollen Wahrheiten:

People are always so different at being the same.

Und dann ist da aufkeimende Hoffnung aus dem was geschieht ausbrechen zu können:

The same thing happened every day, it was true, but he liked the possibility that one day it wouldn’t and one day it didn’t.

Mein Fazit

Einige von euch haben bereits die Abwesenheit des klassischen Sterne-Bewertungssystems bemerkt und ich möchte es euch eigentlich wirklich nicht vorenthalten. Aber mein kleiner Blog steht noch ganz am Anfang und die etwas besondere Umsetzung dieser Bewertung, die ich mir vorgenommen haben, wird für mich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin lasse ich euch in klassischen Bewertungseinheiten an meinem Gesamteindruck teilhaben.

Ich habe ‚When we were alive‘ super gerne gelesen auch wenn es nicht immer ganz einfach war, aber gerade das hatte auch etwas Schönes, wenn man die Thematik des Buches bedenkt. Die sprachliche Gestaltung war für mich ein wahres Fest und einige der Zitate spuken nach wie vor in meinem Kopf herum, weil sie so unfassbar schön sind.

Insgesamt bewerte ich das Buch mit 4 von 5 Bewertungseinheiten.

Eine Empfehlung für jeden, der sich nicht vor der englischen Sprache fürchtet und keine Scheu hat auch mal ein unbequemes Buch zu lesen, dass nicht die typische harmonische Seite von Beziehung, sondern deren dunkle Seite und die Unvollkommenheit der Welt beleuchtet in der wir leben.

Alles Liebe

Maren

Gelesen | Ich treffe dich zwischen den Zeilen – Stephanie Butland

Titel: Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Autoren: Stephanie Butland

Verlag: KNAUR

Seitenzahl: 318

Zum Cover: Ich fand das Cover super schön. Die Textur hat mich vom ersten Moment an überzeugt. Leider ist es orange … aber ich möchte nicht übertrieben kritisch sein, nur weil Orange nicht zu meine Favoriten zählt.

Schreibstil: Der Schreibstil ist wunderbar leicht und fließend. Die Wechsel zwischen den Zeiten und Perspektiven sind insgesamt wunderbar, allerdings fiel es mir teilweise schwer den Überblick zu behalten in welcher Zeit ich mich gerade befinde. Insgesamt fand ich waren es zu viele Wechsel. Besonders schön fand ich die Poetry Slam Texte, die in die Geschichte eingeflochten waren. Diese Texte haben mein Herz berührt.

Lieblingszitate:Das ist bislang, meine Geschichte. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen soll. Ich habe es niemandem erzählt. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, und ich weiß nicht, wie ich das Ende umschreiben kann. Erzähle ich es gleich zu Beginn, dann magst du mich vielleicht nicht.

Meine Meinung zum Buch: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es hat ich tief berührt, gerade auch weil es um Bücher geht und Worte und Geschichten. So viele meiner Lieben in einem Buch vereint. Und doch auch der Schmerz der Vergangenheit und die Zweifel der Liebe. Gegen Ende war ich kurz sauer auf die Autorin, aber wer ist das nicht, wenn sich Dinge nicht so entwickeln, wie man es sich für Figuren, die man in einem Buch lieb gewonnen hat, wünscht. Ich beendete das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Bewertung: Ich gebe dem Buch daher 4 von 5 Sterne.

Gelesen | Die Bücherdiebin – Markus Zusak

Die Bücherdiebin von Markus Zusak ist eines der Bücher, die sich ganz fest in meinem Herzen eingenistet haben und da auch nicht mehr weggehen werden. Ich konnte lange nicht sagen, warum mich dieses Buch so fasziniert, aber inzwischen – einige Jahre und Rereads später – kann ich meine Gefühle dazu besser einordnen.

Da ist auf der einen Seite diese Anziehungskraft, die Bücher in Verbindung mit dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich auf mich haben. Warum das so ist? Keine Ahnung. Aber es stimmt. Bücher, die sich mit dieser Zeit und den Schicksalen der Menschen, die darin lebten befassen, finden immer wieder ihren Weg in meine Hände und so auch dieses Buch.
Zum ersten Mal treffen Lisel und ich uns als ich vielleicht 16 oder 17 Jahre alt bin. Schon zu dieser Zeit ahne ich, dass ihr Schicksal mich so schnell nicht loslassen wird, denn es ist eines der außergewöhnlichsten Bücher, dass ich bis dahin gelesen haben soll. Und auch jetzt fast 10 Jahre später greife ich immer wieder zu diesem Buch. Heute wie gestern berührt mich diese eine Geschichte so wie keine andere.

Worum geht es?

Deutschland 1939. Der Tod hat viel zu tun, und er hat eine Schwäche für Liesel.

Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem „Handbuch für Totengräber“ ist eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten geweckt, die sie auch dann nicht verlässt, als ihre Welt in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bobennächte über München – und sie überlebt: weil der Tod sie ins Herz geschlossen hat.

Meine Gedanken zum Buch

Der Vorhang öffnet sich. Ein Mädchen mit tritt ins Bild – lesend.

Zuerst die Farben.

Dann die Menschen.

So sehe ich die Welt normalerweise.

Ich versuche es zumindest.

Die Geschichte wird aus der Sicht des ‚Todes‘ erzählt. Kann das etwas werden oder soll ich das Buch gleich wieder weglegen? Ein Glück, dass ich grundsätzlich kein Buch wieder weglege, sondern gewillt bin jedem Buch bis zum letzten Satz eine Chance zu geben.

Lisel kann nicht lesen – noch nicht und doch ist das diese Anziehungskraft, die dich Bücher auf sie ausüben. Also fängt sie an Bücher zu stehlen. Lernt mit der Zeit Lesen und Schreiben und Lieben.

Denn die Pflegefamilie in die Lisel hineinkommt ist eine besondere. Die Himmelstraße ist gefüllt mit Menschen, die ich mit der Zeit ins Herz geschlossen habe. Rosa und Hans Hubermann, die so viel mehr Liebe in sich tragen, als man im ersten Moment ahnen kann. Die Familie Steiner und insbesondere Rudi Steiner – der junge mit den zitronengelben Haaren, der unsterblich in Lisel verliebt ist. Und ich muss zugeben ich verliebe mich beim Lesen auch immer wieder neu in diesen Jungen.

Was ist schlimmer als ein Junge, der dich hasst? Ein Junge, der dich liebt!

Dieses Buch – die Geschichte bricht mir immer wieder das Herz. Jedes einzelne Wort, jede einzelne Person ist so besonders. Ich habe viele von ihnen schon vor langer Zeit ganz fest in mein Herz geschlossen. Ich habe gelacht und geweint, war hoch erfreut und furchtbar wütend. Ich habe getrauert und ich habe losgelassen. Ich habe meinen Frieden geschlossen.

Eine letzte Anmerkung eures Erzählers

Ich bin von Menschen verfolgt

Dieses Buch ist eines meiner liebsten Bücher und wird es wohl für immer bleiben.

Habt ihr es schon gelesen? Wie ist eure Meinung dazu?

Gelesen | Stille – Erling Kagge

Stille von Erling Kagge ist eines der ersten Bücher, das ich über Vorgelesen.de gewonnen habe und ich war mehr als gespannt was sich in diesem Schmuckstück verbergen würde. Ich fand vieles darin, aber noch viel mehr fand ich in mir selbst das Verlangen nach Stille.

Titel: Stille – Ein Wegweiser

Autoren: Erling Kagge

Verlag: Unser Verlag

Seitenzahl: 140

Klappentext:

Einer der größten Abenteurer unserer Zeit über die Wiederentdeckung der Stille.

DU KANNST DEINEN EIGENEN SÜDPOL FINDEN

Dieses atemberaubende Buch lehrt uns, die kostbaren Momente der Stille zu finden – ob in der Antarktis oder auf dem Mount Everest oder in einem Zug während des Berufsverkehrs.

Zum Cover:

Das Cover hat mich von Anfang an begeistert. Wahrscheinlich hätte ich das Buch nur wegen des Covers gelesen. Außen ist es schlicht und weiß mit schwarzer Schrift. Der Schutzumschlag ist sehr minimalistisch gestaltet. Sobald man den Schutzumschlag abnimmt, sieht man ein buntes Bild von einer Straße. Bunte Linien kennzeichnen den Weg von Autos und Fahrrädern. Ich finde die Gestaltung des Buchumschlages unter dem Cover nicht so schön, aber es ist in Ordnung und spiegelt die Thematik des Buches sehr gut wieder.

Schreibstil:

Der Schreibstil des Autors ist klar und ohne Schnörkel. Erling Kagge lässt uns in klarer Sprache teilhaben an seinen Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Stille“. Die Kapitel sind kurz gehalten und somit für sich jeweils weitestgehend abgeschlossene Gedanken zum Thema. Außerdem ist das Buch gespickt mit Zitaten von verschiedenen Philosophen und anderen hörenswerten Persönlichkeiten, z.B. auch von den Kindern des Autors. Insgesamt liest sich das Buch sehr angenehm.

Lieblingszitate:

Gute Dichter erinnern mich an große Entdecker. Indem sie die richtigen Worte wählen, setzen sie Gedanken in meinem Kopf in Gang, ein bisschen wie die Berichte der Entdecker, die ich als kleiner junge las.

Die Stille ist eher eine Idee. Ein Gefühl. Eine Vorstellung. Die Stille um dich herum kann viel enthalten, aber für mich ist die interessanteste Stille, die in mir ist. Eine Stille, die ich in gewisser Weise selbst schaffe. Daher suche ich nicht mehr nach der absoluten Stille um mich herum. Die Stille, auf die ich aus bind, ist die Stille in mir.

Du kannst nicht darauf warten, dass es still wird. Du musst dir deine eigene Stille schaffen.

Was du siehst hängt davon ab, wer du bist.

Meine Meinung zum Buch:

Ich fand das Buch sehr inspirierend. Ich hatte mich bisher noch nie so intensiv mit dem Thema „Stille“ auseinandergesetzt und Erling Kagge setzt sich super mit dem Thema auseinander. Der Aufbau des Buches und sein Schreibstil haben mir sehr zugesagt. Dadurch, dass die Kapitel in sich relativ abgeschlossen waren, konnte man gut mal ein oder eben auch mehrere Kapitel lesen. Ich bin habe das Gefühl neugieriger zu sein darauf, wie ich Stille für mich neu entdecken kann. Für ein Sachbuch war es richtig gut, allerdings lese ich Sachbücher grundsätzlich etwas weniger gerne, deshalb gibt es einen Stern Abzug.

Bewertung: Ich gebe dem Buch daher 4 von 5 Sterne.

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