Mit einem Schlag – Dr. Jill Taylor

aus dem Englischen von Theda Krohm-Linke

Ich habe vor Jahren mal Auszüge aus einem TED Talk gesehen in dem es genau darum ging. Jahre später war ich mit einer Freundin in der Bibliothek in der ihre Mama arbeitet. Wir standen vor einem Regal mit Büchern, die gespendet wurden. Und da stand genau dieses Buch und ich glaube ich hab wohl recht interessiert geschaut. Und schwups landete dieses Buch bei mir.

Eine Weile lag es hier rum und dann passierte etwas, dass das Thema Schlaganfall für mich mitten in meinen Alltag katapultierte. Eine meiner Kolleginnen hatte relativ kurz nach der Geburt ihrer zweiten Kindes einen Schlaganfall. Unvorstellbar. Ich konnte es nicht fassen. Aus dieser Situation heraus nahm ich dieses Buch in die Hand. Ich erhoffte mir Einblicke in den Ablauf eines Schlaganfalls, etwas medizinisches Grundwissen zu dieser Krankheit und nicht zuletzt mehr über die Genesung.

Ein Stück Klappentext.

Als Raum und Zeit eins wurden.

Ungeheuer eindringlich beschreibt die Hirnforscherin Jill B. Taylor ihren eigenen Schlaganfall, der sie von einem Moment auf den anderen in einen Zustand jenseits von Zeit und Raum versetzt. Ihre Grenzerfahrung hat sie in einem mitreißenden Bericht festgehalten, der uns über das Wunder unseres Gehirns staunen lässt. Eine faszinierende Reise in die Tiefen des menschlichen Bewusstseins und die spannende Geschichte einer starken Frau, die an der Schwelle zum Tod das Nirwana entdeckte und heute – völlig geheilt – wieder Medizinstudenten unterrichtet.

Was macht dieses Buch mit mir.

Ich hatte mir also relativ viel erhofft.

Meine hoch angesetzten Erwartungen konnte das Buch nicht erfüllen. Ich fand die rein medizinischen Beschreibungen langweilig. Das darf mich jetzt nicht wundern, denn ich bin weder ein großer Sachbuch-Fan, noch kann ich behaupten, dass ich Anatomie oder ähnliches jemals besonders spannend gefunden hätte.

Am meisten hat mich die Schilderung des eigentlichen Schlaganfalls eingenommen. Wow! Allein die Vorstellung, dass jemand so etwas schreckliches erlebt und sich dessen so vollkommen bewusst ist. Dr. Taylor war zu jedem Zeitpunkt ganz genau bewusst, was in ihrem Körper vor sich geht. Sie wusste ganz genau was mit ihr los war ohne auch nur das geringste dagegen tun zu können.

Ich definiere Verantwortung als die Fähigkeit zu entscheiden, wie wir in jedem Moment auf eine Stimulation reagieren, die über unser sensorisches System in uns eindringt.

Gegen Ende driftet das Buch für mich zu sehr in Richtung Selbsthilfebuch ab. In meinen Augen ist das nicht nötig. Für mich wäre es ausreichend gewesen den Fokus auf Jill Taylors Geschichte zu lassen ohne am Ende noch den Zeigefinger zu erheben. Dass jeder von uns eine gewisse Verantwortung für sein Leben trägt, sollte doch inzwischen klar sein.

Insgesamt ist das Buch ganz okay.

Protokolle der Gegenwart

Gedichte: Sandra Gugi´c

Illustrationen: Oliver Hummel

Lyrik und ich. Dazu muss ich nichts weiter sagen. Ich mag dieses Experiment. Ich bin unendlich froh, dass Lyrik-Abo Ende Februar mit vier Neuerscheinungen in die nächste Runde geht. Denn mein Protokolle der Gegenwart ist das vorerst letzte Buch vom Verlagsaus Berlin, das hier bei mir zuhause liegt.

Ich liebe die detailverliebte Gestaltung und all die Energie, die das Team des Verlagshaus Berlin in jedes einzelne dieser kleinen Kunstwerke steckt. Ich spüre, wie sehr ihr hinter eurer Autoren steht. wie sehr euch diese Bücher am Herzen liegen. Wie viel ich als Lesender euch bedeute.

Ein Stück Klappentext.

In ihrem Lyrikdebüt protokolle der gegenwart bewegt Sandra Gugić sich entlang der Oberflächen und Tiefenströmungen der Gegenwartssprache: auf verschiedenen ebenen kombinierbare aneignungspraktik / von geschichte. Gugic greift in die Struktur der Sprache ein, transformiert Syntax, seziert Syntagma, schneidet Wortmaterial zusammen. Wenn der Wortstrom ins Stocken gerät, bricht die Oberfläche zu Wortketten auf, die in die Tiefenstruktur vordringen: logik lüge libido, naming shaming blaming. So erzeugt Sandra Gugić dreidimensionale Wortnetze, in denen sie die Gegenwart einfängt und zu einem friendly wordfire transformiert. Darin verwebt sie alle denkbaren Diskurse der Gegenwart: Flucht, Gender, Heimat, Computerspiele, Nahrungsmittelverpackungen. Die Gewaltsamkeit der Sprache wird gleichzeitig ausgestellt und durchkreuzt, denn dabei haben wir diese sprache aus eigenen mitteln finanziert.

protokolle der gegenwart ist ein mitreißender Sprachstrom aus dem postkutschenzeitalter des individualismus, in dem Gugić in drei Kapiteln eine Karte der Gegenwart entwirft, von schreien zu schreiben.

im kopf der erzählerin laufen alle widersprüche zusammen

wort satz sekunde zur richtigen zeit am falschen ort und vice versa

der vollständige gedanke

soll ich

Was macht dieses Buch mit mir.

Ich verspreche dir das hier wird keine ausführliche Analyse von irgendwas. Ich habe nicht das Gefühl diese Lyrik in ihrer Gesamtheit oder auch nur ansatzweise begreifen zu können.

Also erzähl ich dir viel lieber von den Gefühlen, die Sandra Gugi´c mit Ihren Worte in mir auslöst. Denn die gefallen mir sehr. Ich fühle mich ertappt, denn einige Ihrer Sätze bilden meine Gedanken so unfassbar gut ab.

sequenzen eines austauschs bedeuten

die grenzen meiner sprache die grenzen

meiner welt

Ich steige noch nicht dahinter. Was steht dahinter, wenn Sätze ineinander fließen? Wie sehr darf/kann/muss das Layout eins Textes darauf einwirken, wie ich dieses Text verstehe? Helft mir! Ich bin für jede Erklärung offen.

Lyrik und ich.

Wir fangen an miteinander warm zu werden.

Es ist nicht die große Liebe. Das wird es wohl nie sein. Es sind schöne Begegnungen, es ist wie einen Menschen langsam besser kennen und schätzen zu lernen.

Es ist schön etwas neues zu entdecken.

Bitte mehr davon!

am rand ist der druck am stärksten besser ist es

in der mitte in der masse zu bleiben

(Vielleicht ist es einfacher, aber ich glaube ich bin für den Druck gemacht. Denn genau dann blühe ich auf.)

Schutzzone – Nora Bossong

erschienen bei Suhrkamp

Grundsätzlich ziehe ich gebundene Bücher vorgelesenen vor. Nebenher höre ich aber auch super gerne Hörbücher. Hauptsächlich unterhaltsame Sachen mit nicht ganz so viel Tiefgang. Schutzzone hatte ich schon eine kleine Weile im Blick. Dann sah ich das Hörbuch in der Vorschau und dachte ich hör mal rein. Es hat nicht lange gedauert bis ich bemerkte, dass ich dieses Buch lieber in der Hand halten möchte. Die Worte und Sätze vor mir sehen möchte. Sprachliche Spitzfindigkeiten markieren möchte. Und so habe ich von Hörbuch zum gedruckten Buch gewechselt und hab mich dort sehr wohlgefühlt.

… ,man bildet sich die Hälfte seines Lebens ein, und die andere Hälfte geschieht, ohne dass man sie wirklich wahrnimmt.

Ein Stück Klappentext.

Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.

… und Frieden ist nur das Wort für den Moment in dem nichts mehr zu verhandeln ist, wer will den schon …

Was bedeuten Vertrauen und Verantwortung? Wie greifen Schutz und Herrschaft ineinander? Wie verhält sich Zeugenschaft zur Wahrheit? Und wer sitzt darüber zu Gericht? Hellsichtig und teilnahmsvoll geht Nora Bossong in ihrem virtuosen Roman diesen Fragen nach – in privaten Beziehungen wie auf der großen politischen Bühne – und setzt den Konflikten der Vergangenheit die Hoffnung auf Versöhnung gegenüber.

Was macht dieses Buch mit mir?

Erinnerst du dich noch an Die Hauptstadt von Robert Menasse? Ich schon. Die EU. Brüssel. Ein Schwein. Es war für mich naheliegend an dieses Buch zurückzudenken, als ich zum ersten Mal von Nora Bossongs Buch las. Über die EU weiß ich ein bisschen was, die Vereinten Nationen sind für mich im Vergleich das größere Rätsel. Die Hauptstadt hat bei mir unheimlich viele Fragezeichen hinterlassen, während Schutzzone für mich einige Fragen beantworten konnte. Fragen, die ich bislang nicht gestellt hatte.

Dieses Buch ist in erster Linie aus politischer Sicht interessant. Es schafft Bewusstsein für die Vereinten Nationen, eine Organisation, die für mich allenfalls interessant ist, wenn sie in den Nachrichten vorkommt. Mit der Protagonistin Mira bekommt diese gesichtslose Organisation ein Gesicht, ein Gefühl, ein Leben.

Mira ist mir als Person sehr nah. Im ersten Moment wirkt sie auf mich wahnsinnig souverän. Ihr Leben spielt sich zwischen Sitzungssälen und Luxushotels auf der politischen Weltbühne ab. Nach außen hin stark. Das kriege ich meistens auch hin. Umso weniger überrascht es mich, dass das Bild relativ von der unabhängigen, starken und souveränen Mira relativ schnell zu bröckeln anfängt. Nämlich genau dann, als sie mit Ihrer Vergangenheit konfrontiert wird.

… und manchmal, nur manchmal, überkommt mich die Angst, das falsche Leben zu leben, als würde es das richtige irgendwo geben, aber man berührt immer nur den Ersatz, die Fälschung, das Beinah …

Sie stellt sich großen Fragen. Im Privaten und im Politischen. Nora Bossong verpackt das ganze sprachlich wahnsinnig schön. Und hier gehen die Meinungen auseinander. Wird es sprachlich zu komplex? Hindert es das Leseerlebnis? Für mich nicht. Ich kann verstehen, warum sich Menschen mit der Sprache und den langen Sätzen vielleicht schwer tun. Ich nicht. Die Autorin trifft genau meinen Geschmack. Komplexität und Eloquenz treffen genau meinen Geschmack. Ich fühle mich in meiner Gedankenwelt sehr abgeholt.

Manchmal ist einem alles zu dicht, dabei ist es unsagbar weit entfernt.

Mein Fazit: Die Meinungen zu diesem Buch sind gespalten. Das versteh ich auch. Wenn du dich auf die Sprache einlassen kannst, dann wird dir dieses Buch einen klareren Blick auf die Vereinten Nationen schenken.

Ich, Unica – Kirstine Reffstrup

aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger

erschienen im fabelhaften Nordverlag (das kleine Heftchen fasst die Liste meiner gelesenen Bücher seit 2016 – liebe es über alles)

Ich habe nicht so viele Worte für dieses Buch. Das liegt nicht daran, dass ich es gut oder schlecht fand. Ich bin nicht sprachlos – weder positiv noch negativ. Es fällt mir insgesamt schwer diesen Text für mich einzuordnen. Aber dazu später mehr.

Hier kann ich die Vergangenheit am ausgestreckten Arm von mir halten. Und dennoch ist sie immer um mich.

Dieser Satz hat mich umgehauen. Ich war super aufgeregt, was da vor mir liegt.

Ein Stück Klappentext.

Es ist 1957, das Künstlerehepaar Unica und Hans hat sich vom Leben in Paris und Berlin in ein Haus im französischen Dorf Ermenonville zurückgezogen. Als Hans eines Tages einen Brief eines Kunsthändlers erhält, der ein neues Werk kaufen möchte, beginnen er und Unica damit, dieses Werk zu schaffen: Eine Puppe in Lebensgröße. Während Unica die Jacke der Puppe näht, verliert sie sich langsam in den Erinnerungen an ihr früheres Leben vor und nach dem Krieg in Berlin und in der Abgeschiedenheit des Hauses. 

Ich, Unica ist eine literarische Fantasie über historische Personen, die Zeichnerin und Autorin Unica Zürn (1916-1970) und ihren Mann, den Künstler Hans Bellmer (1902-1975). 

Mit Nachwort über Unica Zürn von Julia Korbik.

Was macht dieses Buch mit mir.

Ich war schon lange nicht mehr so verwirrt. Während des Lesens und noch lange danach. Ich spüre noch jetzt – Wochen nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe – dieses seltsame Gefühl.

Es ist leicht sich in der Welt verloren zu fühlen, die hier aufgespannt wird. Der Mikrokosmos in dem sich Unica Zürn bewegt. Ihr hier und jetzt, das immer mehr verschwimmt, sich immer mehr vermischt mit mit den Erinnerungen und Gefühlen aus Ihrer Vergangenheit.

Ob es mir leichter gefallen wäre diese sehr lyrische Fantasie rund um das Leben von Unica Zürn zu lesen, wenn ich mich vorher mit ihrer Person und ihrem Leben befasst hätte? Ja. Definitiv. Mit jedem Wort aus dem Nachwort wurde mir der Text klaren. Je mehr ich über ihr tatsächliches Leben erfahren habe, desto mehr erschloss sich mir das vorher Gelesene.

Fazit: ich versuche mich jetzt intensiver mit AutorInnen und den Figuren – besonders, wenn es um historisch existierende Figuren geht – informieren.

… , der Krieg ist ein Schorf um die Herzen.

Cinderella Liberator – Rebecca Solnit

with Illustrations by Arthur Rackham

… because all good dresses have big pockets …

Ich hab dir im letzten Beitrag erzählt, dass mich Emma Watsons Online Buchklub Our Shared Shelf immer wieder inspiriert. Und so fand auch dieser kleine Schatz seinen Weg in meinen Sitz. Ein umgeschriebenes Märchen. Könnte das witzig sein? Oder intelligent? Oder ist der Gedanke bereits abgenutzt? Märchen sind ohnehin nicht mein Lieblingsgenre, aber vielleicht hatte Rebecca Solnit diesem hier einen besonderen Drift verpasst. Dünnes Büchlein. Also nicht allzu viel verschwendete Zeit, wenn es nicht gut wäre.

Ein Stück Klappentext.

In this modern twist on the classic story, Cinderella, who would rather just be Ella, meets her fairy godmother, goes to a ball, and makes friends with a prince. But that is where the familiar story ends. Instead of waiting to be rescued, Cinderella learns that she can save herself and those around her by being true to herself and standing up for what she believes.

In her debut children’s book, Rebecca Solnit updates a classic fairytale with a fresh, feminist Cinderella and new plot twists that will inspire young readers to change the world, featuring gorgeous silhouettes from Arthur Rackham on each page.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Ein Kinderbuch. Kennst du das, wenn dich Kinderbücher oder Filme zwischen den Zeilen inspirieren. Wenn dich eine Zeile hart in die Magengrube trifft, dann hat die Personen, die das Buch geschrieben hat in meinen Augen alles richtig gemacht. Es sind diese Wahrheiten und Zwischentöne, die uns Erwachsene (ist das nicht furchtbar, dass wir erwachsen geworden sind?) besonders nachdrücklich berühren. Und gerade, weil es so weh tut mal wieder wachgerüttelt zu werden und die Augen ein bisschen weiter zu öffnen, mag ich Kinderbücher so gerne.

Ich habe die Geschichte im englischen Original gelesen, deshalb sind mir, als jemand dessen Muttersprache nicht Englisch ist, wohl einige Feinheiten entgangen. Sieh es mir also bitte nach, wenn ich etwas wunderschönes übersehen habe. Vielleicht entdeckst du es?

Als aller Erstes möchte ich deinen Blick auf die Illustrationen lenken. Sie sind sehr klassisch. Minimalistisch. Einfach schön.

Klar. Es ist eine Neu-Erzählung eines Märchens, dass du wahrscheinlich unendlich oft gehört hast. Vielleicht liebst du es, aber vielleicht quillt es dir auch zu den Ohren raus. Ist eine Neu-Erzählung langweilig? Einfallslos? Überstrapaziert? Ich persönlich hab davon vorher noch keine gelesen, insofern in meinen Augen nicht. Ich mag den Gedanken der Geschichte einen anderen Anstrich zu verpassen. Ein Gedankenspiel zu spielen. Ein „was wäre gewesen, wenn …“ zu beleuchten. Und genau das hat Rebecca Solnit in meinen Augen schafft.

… nobody is good or valuable because of who their parents are, or bad because their parents are bad. They are as good and valuable as they are in their own words and deeds …

  • die Stiefschwestern werden nicht an den Pranger gestellt für die Art und Weise wie sie erzogen wurden und irgendwie bekommen auch sie ihr eigenes happy ending

well, there are a lot of people with a lot of ideas about beauty. And love. When you love someone a lot, they just look like love

  • der Prinz und Cinderella werden Freunde. So richtig echte Freunde, wie keiner von ihnen vorher hatte
  • die Mäuse und Eidechse und Ratten dürfen sich nach der Ballnacht entscheiden, ob sie in ihren neuen Rollen bleiben möchten oder zurück in ihr altes Leben möchten

und so geht es noch eine Weile weiter. Es sind die feinen, gut durchdachten Details von denen diese Geschichte lebt.

She isn’t a fairy godmother, but she doesn’t need magic to be a liberator to be someone who helps others figure out how to be free

Feminist Fight Club – Jessica Bennett

a survival manual for a sexist workplace.

Viel zu selten greife ich zu Büchern im englischen Original. (alle anderen Sprachen beherrsche ich bei weitem nicht gut genug um darin mehr als Smalltalk hinzubekommen) Kommt dir dieser Gedanke bekannt vor? Hin und wieder findet dann doch mal ein Buch aus dieser Kategorie den Weg zwischen meine Hände. Insbesondere Our Shared Shelf – das ist sowas wie ein Online-Buchclub inspiriert von Emma Watson – inspiriert mich hinsichtlich der Buchauswahl. Alle zwei Monate ein Buch schaffe ich nicht, aber die Liste der besprochenen Bücher ist auf Goodreads einsehbar und so picke ich hier immer mal wieder eins raus. Durch die Auswahl las ich unteranderem schon Bücher von Eve Ensler und Maya Angelou. Hier folgen sicher noch einige andere, die – z.T. schon gelesen – hier bereitliegen und besprochen werden möchten.

Ich arbeite in einem Umfeld mit vielen Männern, die es viel zu lange Zeit gewöhnt waren unter sich zu sein. Hallo Automobilindustrie. Hallo technischer Vertrieb. Hallo alte weiße Männer. Ich bin ehrgeizig. Ich bin intelligent. Ich arbeite hart. Mein Erfolg gibt mir recht. Gleichzeitig bin ich meine größte Kritikerin. Hallo Selbstzweifel! Feminismus in allen Lebenslagen interessiert mich. Und genau deshalb – und wegen dem hoffentlich benefit in Sachen strategisches Wissen im Umgang mit Männern am Arbeitsplatz – wollte ich Feminist Fight Club lesen.

It’s having to work twice as hard to prove you’re once as good, or three, four, five times as hard if you happen to be female and of color.

Feminist Fight Club – Jessica Bennett

Ein Stück Klappentext.

Engaging, hilarious and practical – I will proudly proclaim myself a card-carrying member of the FFC‘ – Sheryl Sandberg, COO of Facebook and bestselling author of Lean In

This is a call to arms.

Are you aged zero to infinity? Finished with the sexist status quo? Ready to kick ass and take names?

Welcome to the Feminist Fight Club. You have lifetime membership.

Feminist Fight Club provides an arsenal of weapons for surviving in an unequal world. You will learn how to fight micro-aggressions, correct unconscious bias, deal with male colleagues who can’t stop ‚manterrupting‘ or ‚bro-propriating‘ your ideas – and how to lean in without falling the f*ck over.

Every woman needs this book – and they needed it yesterday.

Engaging, hilarious and practical – I will proudly proclaim myself a card-carrying member of the FFC‘ – Sheryl Sandberg, COO of Facebook and bestselling author of Lean In

This is a call to arms.

Are you aged zero to infinity? Finished with the sexist status quo? Ready to kick ass and take names?

Welcome to the Feminist Fight Club. You have lifetime membership.

Feminist Fight Club provides an arsenal of weapons for surviving in an unequal world. You will learn how to fight micro-aggressions, correct unconscious bias, deal with male colleagues who can’t stop ‚manterrupting‘ or ‚bro-propriating‘ your ideas – and how to lean in without falling the f*ck over.

Every woman needs this book – and they needed it yesterday.

This is not a drill.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Das Buch ist gegliedert in sechs große Teile. Know your Enemy. Know thyself. Bob Traps. Get your Speed on. F you, pay me. WWJD – What Would Josh Do.

Jeder dieser Bereich liest sich wie eine Mischung aus Arbeitsbuch und persönlichen Erfahrungen der Autorin. Manche Abschnitte habe ich gelesen und dachte mir: Oh ja! Das kenn ich so gut. Mit anderen Abschnitten konnte ich reichlich wenig anfangen. Jeder Abschnitt basiert auf der persönlichen Erfahrungen von Personen, die das erlebt haben und hat somit sein Berechtigung dort zu stehen und gelesen zu werden. Wenn ich persönlich etwas nicht für mich anwenden konnte, habe ich gedanklich dennoch abgespeichert unter dem Gesichtspunkt, dass es möglicherweise meine Sichtweise auf Personen in genau dieser Situation verändern kann. Nicht jede Frau ist in genau meiner Situation, aber jede von uns begegnet ähnlichen Verhaltensmustern und struggled mit Sexismus. Punkt!

Your anger is valid – but channel it into strategic maneuvers.

Feminist Fight Club – Jessica Bennett

Ich liebe die Checklisten. Die Auflistungen von, wenn sich jemand so verfällt, dann kannst du ihm so den Wind aus den Segeln nehmen. Die Teile in denen sie Formulierungen und Verhaltensweisen analysiert und überdenkt. Jeder kleine Tipp und jeder Ratschlag können Gold wert sein. Können. Manche mehr andere weniger. Dennoch rate ich dir das für dich kritisch zu hinterfragen. Zwänge dich nicht in eine Rolle, die dir nicht entspricht. Handle nicht nach Maßstäben, die dir nicht entsprechen. Bleib dir selbst treu.

Das Buch stammt aus dem amerikanischen Kontext und der ist kulturell doch massiv anders als das was wir hier in Deutschland / Europa erleben. Auch die Art und Weise wie das Buch geschrieben ist, wir zum Handeln förmlich angefeuert werden. Sehr amerikanisch.

Und trotz allem. Oder gerade wegen allem. Habe ich dieses Buch gerne gelesen. Denn es ist für mich als Frau eine Bereicherung (Stichwort: nächste Gehaltsverhandlung) und erweiterte meinen Blick auf Feminismus im Allgemeinen. Außerdem auch im Kontext amerikanischer Kulturraum und Journalismus im Speziellen.

Grenzwerte – Max Czollek

mit Illustrationen von Mario Hamborg

Lyrik. Das ist doch nichts für mich.

Das hab ich zumindest sehr lange gedacht und so weit es geht Abstand gehalten. So gut es geht. So lange es geht.

Und dann bin ich immer wieder über Texte gestolpert. Mal hier mal dort. Und hin und wieder war etwas dabei, das ich gut fand oder zumindest nicht absolut unverständlich. Und dann war da diese Lesung anlässlich der Buchmesse in Leipzig. In diesem winzigen Laden, der antiquarischen Kram verkauft. Die Lesenden waren Autoren des Verlagshauses Berlin. Ich war ein bisschen verzaubert.

Das kannte ich so nicht. Lyrik, die noch lange in mir nachhalte. Eindrücke, die ich intensiveren wollte. Ich geb es zu: Mich hat der Ehrgeiz gepackt. Was ist das mit Lyrik und mir? Kann das funktionieren? Was lösen diese Texte in mir aus? Ich las von Anna Hetzer – Kippbilder und Odile Kennel – Horse Texte.

wenn du bei einer lyriklesung bist und nichts verstehst

bist du richtig.

Grenzwerte – Max Czollek

Ich fühle mich weit davon entfernt, irgendetwas in der Ganzheit dessen zu begreifen, was die Schreibenden sich dabei denken. Nach und nach lege ich diese Erwartungshaltung ab. Fühle mehr und denke nicht mehr ganz so viel darüber nach. Erzwinge es nicht den Text zu begreifen. (Ich erinnere mich noch daran, dass meine Abiturprüfung in Deutsch zum Thema hat, ob es einen richtigen Weg geben würde Lyrik zu begreifen. Seltsam, warum mir das gerade jetzt wieder einfällt) Im letzten Jahr habe ich mich dafür entschieden ein feines Lyrikabo abzuschließen. Mir gefällt diese Idee sehr – schaut gerne mal auf der Website vorbei, falls ihr euch dafür interessiert und es noch nicht kennt. Und so flatterte Grenzwerte von Max Czollek in mein Haus.

Ein Stück Klappentext.

Max Czolleks neuer Gedichtband Grenzwerte ist eine Grand Tour durch Orte, Diskurse – und durch die Geschichte. Denn Dichtung ist bei Czollek immer auch ein Sprechen der Vergangenheit: Eine Form von Gegenwartsbewältigung. Der Ungleichzeitigkeit der Zeit – dieser kette aus kalenderblättern / dem gefühl, als wäre beim reißverschluss der schieber kaputt – begegnet Czollek mit den Mitteln der Dichtung, mit Metapher und Collage. Dabei ist er kein passiver Chronist, seine Verse sind jederzeit bereit, zurückzuschlagen, sich Sprachordnungen anzueignen und neu zu formatieren. Und so ist Grenzwerte nicht nur ein Logbuch der Gegenwart, sondern auch eines des Dichters selbst: ich komme mir vor, als säße ich in einem meiner gedichte / und vielleicht tue ich das auch.

ob geschichte unsere größte verletzung bleibt, steht noch dahin, steht alles noch dahin

Grenzwerte – Max Czollek

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Ich kann jetzt anfangen zu analysieren, aber lass mich ehrlich sein: ich möchte das jetzt gar nicht.

Und ich kann auch nicht.

Was ich kann ist dir erzählen, dass ich es mag, wie sich Max Czollek zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegt. Ich mag das Gefühl. Dieses Gefühl von: oh. so hatte ich das noch gar nicht gesehen. ich wäre nicht auf die Idee gekommen das Thema aus diesem oder jenen Blickwinkel zu betrachten. Manche Zeilen überrumpeln mich förmlich. Ich fühle mich ertappt. Warum bin ich nicht darauf gekommen?

ist eine fehlerhafte autokorrektur, auch ein freudscher versprecher

Grenzwerte – Max Czollek

Lyrik und ich. Wir fangen an miteinander warm zu werden. Es ist nicht die große Liebe. Das wird es wohl nie sein. Es sind schöne Begegnungen, es ist wie einen Menschen langsam besser kennen und schätzen zu lernen. Es ist schön etwas neues zu entdecken.

180°Meer – Sarah Kuttner

Es fing an mit Kurt. Intensiv und eine Achterbahn der Gefühle. Ein Haufen Tränen. Danach hörte ich Mängelexemplar. Das war ganz anders. Ebenfalls viele Gefühle. Viele Erwartungen, die an Menschen gestellt werden. Und Angst, dann Kontrollverlust. Die Geschichten von Sarah Kuttner scheinen für mich zu funktionieren. Bislang hat mich jede auf die eine oder andere Art berührt. Die Geschichte und die Sprache. Also weiter im Programm: 180°Meer

Ein Stück Klappentext.

Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.

Eine tragikomische Road-Novel über das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Es geht um Erwachsenwerden. Es geht darum loszulassen. Es geht darum herauszufinden, was Jule möchte. Ein Ansatz, der für mich durchaus funktionieren könnte.

Ich bin nicht greifbar. Wie ein winziger Schauer, der einem über das Rückgrat fährt, ein Wort, das einem nicht einfällt, das ungute Bauchgefühl, wenn doch eigentlich alles glattgelaufen ist.

180°Meer – Sarah Kuttner

Jule ist mir von Anfang an nicht besonders sympathisch. Vielleicht beginnt es mit dem oben genannten Zitat. Sie ist irgendwie nicht greifbar und wird für mich im Verlauf des Buches auch nicht unbedingt greifbarer. Es gibt etwas an ihr, das mich stört, aber ich kann es nicht genau festmachen.

Die Geschichte ist ganz nett. Nachdem ihre Affäre aufliegt, macht sich Jule auf den Weg nach England. Besucht erst ihren Bruder und zieht dann noch etwas weiter. Immer wieder schwappen Erinnerungen herüber. Jule sieht sich konfrontiert mit der Vergangenheit: depressive Mutter, Trennung der Eltern. Trifft ihren Vater. Nichts davon ist rational. Alles ist vollgestopft mit übermäßig viel emotionalen Ballast.

Butter ist Liebe.

180°Meer – Sarah Kuttner

Zwei von drei Büchern, die ich von Sarah Kuttner gelesen habe, haben mir sehr gut gefallen. Das hier nicht.

Frau im Dunkeln – Elena Ferrante

aus dem Italienischen von Anja Nattefort

Körperliche Müdigkeit ist wie ein Vergrößerungsglas.

Frau im Dunkeln – Elena Ferrante

Ich habe letztes Jahr die Mutter einer Freundin besucht, die in einer Bücherei hier in der Gegend arbeitet. Ich blieb vor einem Regal mit nicht einsortierten Büchern stehen. Sie erklärte mir, dass oft Bücher gespendet werden und nicht alle ihren Weg in den Bestand der Bücherei finden. Ob ich mir ein oder zwei Bücher mitnehmen möchte? Klar! Da konnte ich nicht nein sage. Und so griff ich zum ersten Teil der Neapolitanischen-Saga. (also, was ist dran an diesem Ferrante-Fieber?) Es war ganz nett, aber mehr nicht. Kann mir gut vorstellen die weiteren Teile irgendwann als Urlaubslektüre zu lesen. Über Instagram wurde ich auf die Frau im Dunkeln aufmerksam und so zog das Buch schließlich als Quartalskauf in der schönen Büchergildeausgabe bei mir ein.

Ein Stück Klappentext.

Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen – an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter …
Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Die Geschichte ist stimmig. Die Figuren, das Setting und die Situationen die gezeichnet werden passen ingesamt gut zusammen. Der Text liest sich flüssig. Ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt. Durch das ganze Buch zieht sich eine äußerst beklemmendes Gefühl.

Das zentrale Thema ist Mutterschaft. Und naja. Abgesehen von der Beziehung zu meiner Mutter, kann ich zum Thema Mutterschaft rein gar nichts sagen. Dennoch hat mich die Perspektive, die Elena Ferrante in der Figur von Leda aufspannt fasziniert. Sie beleuchtet eine dunklere Seite des Mutterseins, was ich spannend finde. In manchen Punkten konnte ich mich relativ gut in die Gefühle von Leda hinein fühlen, aber der komplette Aspekt, warum sie von dieser Puppe so fasziniert ist, erschließt sich mir nicht im Entferntesten.

Was man Kindern hinter verschlossenen Türen nicht alles antut und sagt.

Frau im Dunkeln – Elena Ferrante

Insgesamt versöhnt mit diese Geschichte etwas mit meinem ersten Eindruck von Elena Ferrante. Höchstwahrscheinlich auch deshalb, weil dieses Buch sich konzentrierter anfühlt, als „Meine geniale Freundin“

Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers – Marc-Uwe Kling

Die Känguru-Chroniken #1

Wenn es um die Geschichten um Marc-Uwe und das Känguru geht, bin ich Wiederholungstäter. Ich habe den Überblick verloren zum wievielten Mal ich den ersten Teil dieser Reihe nun höre. Oder anders: einige Zitate und Geschichten sind mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. So sehr, dass ich sie gerne in Gespräche einbaue. Am liebsten höre ich die Geschichten, denn gelesen von dem Mann, der sie geschrieben hat, funktionieren sie für mich am Besten.

Ein Stück Klappentext.

»Ich bin ein Känguru – und Marc-Uwe ist mein Mitbewohner und Chronist. Nur manches, was er über mich erzählt, stimmt. Zum Beispiel, dass ich mal beim Vietcong war. Das Allermeiste jedoch ist übertrieben, verdreht oder gelogen! Aber ich darf nicht meckern. Wir gehen zusammen essen und ins Kino, und ich muss nix bezahlen.« Mal bissig, mal verschroben, dann wieder liebevoll ironisch wird der Alltag eines ungewöhnlichen Duos beleuchtet. Völlig absurd und ein großer Lesespaß.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir macht.

Das Buch lebt von der Beziehung zwischen einem kommunistischen Känguru und einem Kleinkünstler. Dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft entspringen Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Konsum. Kapitalismus. Psychologen. Soziologen. Polizisten. Die Kunstszene in Berlin. Immer gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor.

“Du kennst doch bestimmt den Spruch, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Guck dich mal um! Wenn man davon ausgeht, dass Gott ein Arschloch ist, ergibt das plötzlich mächtig viel Sinn.” 

Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers – Marc-Uwe Kling

Die einzelnen Geschichten sind kurzweilig und witzig. Manche bringen mich mehr zum Lachen als andere. Bei anderen habe ich das Gefühl, dass sich der Humor, der dahin steht schon etwas abgenutzt hat Zu oft gehört. Insgesamt überwiegt der positive Eindruck, so dass ich diese Geschichten sicherlich immer wieder hören werde.

Ich mag die beiden sehr gerne. Aktuell höre ich den zweiten Teil – das Känguru-Manifest. Eine Riesenfreude beim Autofahren oder Putzen.

Hast du das Känguru schon kennengelernt?

Gelesen | Die verlorene Seele – Olga Tokasrczuk & Joanna Concejo

aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein

Könnte uns jemand von oben beobachten, er sähe so viele Menschen auf der Welt in ständiger Eile, erhitzt und erschöpft. Und er sähe ihre verlorenen Seelen, die nicht mehr Schritt halten können mit ihnen

Die verlorene Seele – Olga Tokasrczuk & Joanna Concejo

Vielleicht war dieses Buch unausweichlich. Ein langsamer Samstag. Ein Besuch in der Buchgalerie. Ein Plausch mit einer lieben Buchhändlerin. Etwas über die Auslagen auf den Tischen und in den Regalen stöbern. Dieses Buch in die Hand nehmen. Mit den Fingern über den Titel streichen. Diese Haptik!

Ich kann nicht besonders viel über dieses Buch sagen ohne zu viel darüber zu verraten. Deshalb stelle ich kurz ein paar Worte voran mit denen mir das Buch empfohlen wurde:

„Nehmen Sie sich Zeit dafür. Das Buch macht etwas mit einem.“

Lass einfach mal die Bilder auf dich wirken. Mich haben sie sehr berührt.

Und dann gibt es ja auch noch etwas Text.

Lass mich wissen, falls dieses Buch dir auch schon in die Hände gefallen ist.

Gelesen | Drüberleben – Kathrin Weßling

Ich hatte Angst vor den Menschen, die sich um mich drängten, und ich hatte noch mehr Angst vor der Vorstellung, dass irgendwer bemerken könnte, dass ich Angst vor der Vorstellung hatte, dass jemand bemerken könnte, dass ich furchtbare Angst hatte.

Drüberleben – Kathrin Weßling

Ich erinnere mich noch ganz genau. Es war vor etwa zwei Jahren in Leipzig. Ich lies mich relativ planlos von einer Lesung zur nächsten treiben. Verweilte hier etwas länger als dort und landete schließlich bei einer Lesung von Kathrin Weßling, die aus „Super, und dir las“ Um eine lange Geschichte kurz zu machen: die Worte flossen nur so in mich hinein und die Tränen aus mir heraus. Ein Buch, dass mit emotionaler Wucht mein Herz traf. Selbstoptimierung. Check. Leistungsdruck. Check. Kurz vor dem Zusammenbruch. Check. Zu sagen, dass mich dieses Buch aufgewühlt hat, ist eine bloße Untertreibung.

Wenn mir Bücher von AutorInnen gefallen, hoffe ich immer, dass es nicht das erste Buch von ihnen ist. Ich liebe es mich rückwärts oder durcheinander durch die verschiedensten Bücher einer lieb gewonnenen AutorIn zu lesen. So auch nun – etwas zeitversetzt – Drüberleben.

Der Klappentext

Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein!

Ida steht zum wiederholten Mal in ihrem Leben vor der Tür einer psychiatrischen Klinik, mit einem Zettel, auf dem ihr Name und der Grund für ihren Aufenthalt genannt sind. F 32.2. Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome. »Drüberleben« erzählt von den Tagen nach diesem Tag, von den Nächten, in denen die Monster im Kopf und unter dem Bett wüten, den Momenten, in denen jeder Gedanke ein neuer Einschlag im Krisengebiet ist. Es erzählt von Gruppen, die merkwürdige Namen tragen, von Kaffee in ungesund großen Mengen, von Rückschlägen und kleinen Fortschritten, von Mitpatienten und von Therapeuten. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich zehn Wochen in eine Klinik begibt und dort lernt zu kämpfen. Gegen die Angst und gegen das Tiefdruckgebiet im Kopf.

Im Grund genommen gab es zahlreiche Momente und Augenblicke, die so schnell wie ein Kamerablitz passierten und die nichts hätten verändern müssen und die trotzdem alles geändert haben.

Drüberleben – Kathrin Weßling

Gut. Eine Geschichte über Depression also. Wie weit sind wir eigentlich damit, dass psychische Krankheiten endlich nimmt mehr stigmatisiert werden? Nicht besonders weit. Das ist mein Empfinden, wenn ich mich mit Freunden unterhalte. Die Kluft ist dunkel und tief zwischen den Menschen, die bereit sind offen mit ihrer Psyche und deren Zustand umzugehen und denen die laut schreien: „Über sowas spricht man doch nicht!“

Ich lerne zwischen den Seiten dieses Buches Ida kennen. Ida die offensichtlich gefallen ist. Sich selbst als menschlichen Verkehrsunfall begreift. Ich begleite Ida in die Klinik. Es ist nur der scheinbar nächste von gefühlt endlos vielen Aufenthalten dieser Art, die bisher für Ida nur Pflaster waren. Nie den gehofften Durchbruch erzielten. Oder wenn doch, nicht lang genug festhalten konnten. Ich folge Ida also in die Klinik. In das Geflecht aus Fallstricken zwischen medizinischem Personal, Patienten und den Ungeheuern, die jeder unabhängig von seiner Rolle in der Klinik mit sich herum trägt.

Was das mit mir macht? Ida und der Text entwickeln für mich sehr schnell einen starken Sog. Ich bin fasziniert von dem wie sie ist. Von dem, das sie möchte, dass andere Menschen sehen. Von dem, das sie versteckt und verbirgt, so lange bis sie es selbst fast vergessen hat. Vielschichtig. Widersprüchlich. Unglaublich sympathisch in den emotionalen Ausbrüchen, die sich mit einer Wucht ihren Weg bahnen. Ich erkenne in Ida Facetten von mir wieder. Das ist gut fürs Leseerlebnis, aber es tut auch weh. Ich fühle. Ungefiltert. Ich lege meinen Gefühlen Filter nur zu gerne Filter auf. Verdränge, dass sie da sind. Texte, Geschichten wie diese heben den Filter auf. Dazu kommen wunderschön gewählte Worte, die sich in Ihrer Kombination tief in mein Herz einbrennen.

Jedes Mal bin ich erschrocken ob der Unveränderlichkeit mancher Dinge in alle den Veränderungen um sie herum

Drüberleben – Kathrin Weßling

Ob es sich lohnt? Klar!

Off Topic: Während ich gerade an diesem Text schreibe läuft im Hintergrund Musik von Billie Eilish. Ich verliebe mich gerade in ihre Musik und ganz allein Sophie Passmann ist dafür verantwortlich. Danke dafür!

Gelesen | Fast genial – Benedict Wells

Fast genial.

Drei junge Menschen.

Ein Road Trip.

Worum geht es?

Die unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, und sich auf die Suche nach ihm macht das Abenteuer seines Lebens.

Und sonst so?

Erinnert ihr euch an ‚Tschick‘? Das war ja auch so eine Road Trip Geschichte über ein paar Teenager, die sich auf den Weg wohin gemacht haben. Die Grundidee ist hier ganz ähnlich, wobei ich finde, dass das was den Protagonisten hier antreibt ein durchaus interessanter Antrieb ist. Oder was würdest du machen, wenn du erfährst, dass dein unbekannter Vater ein Genie ist. Wenn du erfährst, dass du Teil eines Experimentes warst, aus dem haufenweise Genies entstehen sollte? Und du doch ganz genau weißt, dass du genau das nicht geworden bist.

Was macht das mit einem jungen Menschen, wenn er sich auf die Suche nach seinem Ursprung begibt? Ich will mit dir ehrlich sein. Teenager sein. Das ist alles andere als einfach. Und sicher erinnerst du dich daran, wie schwierig das für dich war. Ganz egal wo du herkommst und wie deine Familie so ist. Das ist einfach eine ätzende Zeit. Rausfinden wer du bist und wo du hin willst? Freunde, die dich maßgeblich beeinflussen. Bewusst oder unbewusst. Die erste große oder nicht so große Liebe. Und mitten drin du. Und du weißt es einfach nicht. Du kommst nicht mal mit dir selbst klar. Wie sollst du dann mit der Welt klar kommen. Ich finde das wird in diesem Buch so gut eingefangen.

Sein Kopf war voller Geräusche und Empfindungen und gleichzeitig einfach nur leer.

Fast genial – Benedict Wells (S.90)

Ich bin jetzt Mitte 20. Da sollte ich doch allmählich mal ankommen, aber das passiert eben auch nicht. Ich fühle mich heute anders als mit 16, aber im Prinzip gibt es doch heute wie gestern große Themen, die in meinem Kopf herumfliegen und mich nicht zur Ruhe kommen lassen.

Da frage ich mich dann auch schon mal, ob sich denn überhaupt etwas verändert hat in den letzten 10 Jahren. Und ja verdammt! Hat es! Ich habe so einiges erreicht. Ich möchte meiner Grundschullehrerin sagen, dass ich nicht zu zart fürs Gymnasium bin. Ich möchte meiner Deutschlehrerin aus der fünften Klasse sagen, dass ich eine Verbindung zu den Wörtern in mir gefunden habe. Eine Stimme für das, was in mir schlummert. Meine Stimme. Und hey: Ich rocke meinen Job. Eine Frau in der Automobilbranche. Ich liebe den Kick, das Adrenalin, die Verhandlungen mit großen Playern.

Nicht alles wird gut. Auch ein Learning der letzten Jahre. Dachte ich, dass Freundschaften gibt, die ein Leben lang halten. Von vielen ist schon jetzt kaum mehr etwas übrig. Menschen, die so viel Platz in meinem Herz eingenommen haben. Ich dachte ohne sie wäre mein Leben eine leere Hülle. Ist aber nicht so. Lass mal gehen, was uns nicht gut tut.

Nur fast gewonnen zu haben tut am meisten weh.

Fast genial – Benedict Wells (S.133)

Was am Ende bleibt:

Ich habe dieses Buch gerne gelesen.

Sprachliche Finessen blieben in meinen Augen eher aus.

Was bleibt ist eine Bilanz für mich. Mal zurückblicken auf die letzten 10 Jahre. Mal anschauen wo ich jetzt stehe. Lächeln, weil so viel sich verändert hat. Mal zum Besseren, mal zum Schlechteren. Und an so viele Veränderungen kann ich kein Label pappen, weil ich noch keine Ahnung habe, was daraus werden wird. Wird schon werden. Irgendwas.

Gelesen | Mücken an der Wand – Ruth Frobeen

Unerwartet.

Für mich ist es dieses Wort, das am besten beschreibt, wie mich diese Geschichte erwischt hat. Nämlich vollkommen unerwartet und mit Gefühlen, die ich diesem Buch nicht zugetraut hätte.

Also. Worum geht es?

Erotikautorin Ylvie Unverdorben will dem Medienzirkus den Rücken kehren und sich endlichen mit dem Thema auseinandersetzen, das sie seit Jahren verdrängt: den Selbstmord ihres Bruders.

Sie war nach außen ein funkelnder Stern, aber tief in ihrem Inneren schluckte die Dunkelheit jedes Licht.

Mücken an der Wand – Ruth Frobeen (S. 12)

In einem winzigen Küstenort will Ylvie eigentlich nur in aller Einsamkeit ihr bisher persönlichstes Buch fertigbringen. Sie landet eher zufällig auf Island – einem geheimnisvollen Land, das in einer Nebelsuppe schwimmt, voller Elfenmythen steckt und bei Sylvie doch für Klarheit sorgt.

Unerwartet findet Ylvie hier eine Freundin fürs Leben, Ihre große Liebe und einen neuen Zugang zu ihrer eigenen Geschichte. Und so verschiebt sich der Rand der Welt zu Ylvies neuem Lebensmittelpunkt.

Ein Buch voller Mücken, die an der Wand sitzen und nur darauf warten, loszufliegen.

Was ich darüber denk und was es mit mir gemacht hat?

Der Anfang war nicht leicht. Wirklich? Dein Ernst? Erotikautorin Ylvie Unverdorben. Noch mehr Klischees gefällig? Klar, denn um das unverarbeitete Trauma, das durch den Selbstmord ihres Bruders ausgelöst wurde, in Angriff zu nehmen fährt sie nach Island … Wie einfallslos.

Dennoch ist da die liebevolle persönliche Widmung der Autorin von der ich das Buch zugeschickt bekommen hatte. Und was soll ich sagen: Irgendwie trug diese dazu bei, dass ich dem Buch eine mittelgroße Chance einräumte.

Und am Ende des Tages ist es vielleicht nicht die Geschichte an sich, die mich sehr berührte, sondern viel mehr einzelne ausgewählte Worte. Worte, die mein Herz berührt und meine Seele erschüttert haben. Wahrheiten, die mich daran erinnern, dass manche Menschen eben so sind wie sie sind. Ich kann vieles nicht ändern. Es ist passiert. Es ist vergangen. Und es gibt Menschen, die brauchen das Drama oder den Schmerz. Das ist tragisch aber es is wohl so.

Man konnte einen Teil von sich nicht einfach löschen wie man ein paar dumme, geschriebene Wörter einfach löschte.

Die eigene Vergangenheit tanzt immer im Staub der Zeit, dachte Ylvie. Manchmal fällt Licht auf sie – und manchmal nicht.

Mücken an der Wand – Ruth Frobeen (S.85)

Mein Fazit

Ich mochte diese Geschichte. Irgendwie. Es ist eine nette Geschichte, die mich Seite für Seite ein bisschen mehr in Beschlag nahm. Für meinen Geschmack ein bisschen vorhersehbar und behaltet mit Klischees. Und dennoch: Da sind diese fein gewählten Worte, die mich nachdenken lassen. Über meine Vergangenheit. Über Möglichkeiten. Und nicht zuletzt darüber, dass Island ein gutes Reiseziel sein könnte.

Gelesen | Die letzten Tage des Patriarchats – Margarete Stokowski

Die letzten Tage des Patriarchats hatte ich schon länger im Blick. Bei einem Besuch Anfang Dezember in der Bücherei habe ich es dann mitgenommen. Und in der ruhigen Zeit zwischen den Jahren habe ich es innerhalb weniger Tage verschlungen.

Margarete Stokowski ist eine polnisch-deutsche Autorin und Kolumnistin. Sie schreibt in Ihren Kolumnen scharfsinnig, intelligent und humorvoll mit einer großen Prise Ironie (funktioniert hier auch genial in geschriebener Form). Sie greift die Themen auf, die unsere Gesellschaft beschäftigen und beschäftigen sollten. Ihre Essays zu Themen wie Flüchtlingspolitik, Feminismus, Rechtspopulismus und Macht rütteln an festgefahrenen Gedankenstrukturen. Viele der Kolumnen haben mich sehr zum nachdenken angeregt.

Dieses Buch funktioniert für mich wahnsinnig gut. Ich kann mich nicht so recht entscheiden, wo ich anfangen soll, deshalb teile ich im Folgenden einige der – in meinen Augen – schönsten Zitate und meine Gedanken dazu mit euch.

Aber so ist das mit Privilegien: Wenn man sie hat, sind sie kein Problem, und wenn man sie vorgeworfen kriegt, wird man bockig.

Die letzten Tage des Patriarchats (S.100) – Margarete Stokowski

Es gibt Menschen, die sagen Margarete Stokowski nach, dass sie lediglich über Unzulänglichkeiten wie Liebe und Sex schreiben kann. Ich finde das ist absoluter Quatsch und hat damit zu tun, dass manche Menschen nicht damit klar kommen, wenn unbequeme Themen angesprochen werden. Oder wenn aufgedeckt wird, dass ihr Verhalten oder die Privilegien, die sie genießen eben genau das sind.

Der Witz an Privilegien ist, dass man sie nicht die ganze Zeit fühlt, sondern dass sie Voreinstellungen der Macht sind, die einigen Menschen Dinge ermöglichen, die für andere wesentlich schwieriger oder unmöglich wären. Aber daraus ergibt sich Verantwortung.

Die letzten Tage des Patriarchats (S.100) – Margarete Stokowski

Es geht aber nicht nur darum, was mit Männern schief läuft, sondern auch um zentrale Gedanken des Feminismus. Mir war bis jetzt nur unterschwellig klar, dass es ja viele verschiedenen Strömungen des Feminismus gibt und die sich auch nicht immer alle einig sind.

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