Ausgelesen & Angelesen | September 2018

Urlaub. Das ist Wegfahren und das liebe ich. Aber dieser Urlaub stand ganz unter dem Zeichen von Entspannung, Zeit für mich, Zeit für die Dinge, die ich von Herzen liebe. Meinen Frühjahrsurlaub habe ich in Schottland verbracht; meinen ausgedehnten Herbsturlaub habe ich in Thermen, mit der Familie, bei Kaffee mit Freunden und zwischen den Seiten dieser Bücher verbracht. Eingekuschelt auf dem Sofa, in der Therme, im Park oder am See. Vieles hat mir ganz ausgezeichnet gefallen, einige Bücher blieben dann doch hinter meinen Erwartungen zurück. Ich möchte dich nicht länger auf die Folter spannen. Es folgen kleine Betrachtungen zu den Geschichten, die mich im September begleitet haben.

Ausgelesen

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Das Weibliche Prinzip | Meg Wolitzer 

Die schüchterne Greer Kadetsky ist noch nicht lange auf dem College, als sie der Frau begegnet, die ihr Leben für immer verändern soll: Faith Frank. Die charismatische Dreiundsechzigjährige gilt seit Jahrzehnten als Schlüsselfigur der Frauenbewegung, und sie ist das, was Greer gerne wäre: unerschrocken, schlagfertig, kämpferisch. So sehr Greer ihren Freund Cory liebt und sich auf die gemeinsame Zukunft freut, wird sie doch von einer Sehnsucht umgetrieben, die sie selbst kaum benennen kann. Durch die Begegnung mit Faith Frank bricht etwas in der jungen Frau auf, und sie stellt sich die entscheidenden Fragen: Wer bin ich, und wer will ich sein?
Jahre später, Greer hat den Abschluss hinter sich, geschieht, wovon sie nie zu träumen gewagt hätte: Faith lädt sie zu einem Vorstellungsgespräch nach New York ein − und führt Greer damit auf den abenteuerlichsten Weg ihres Lebens: einen verschlungenen, manchmal steinigen Weg, letztlich den Weg zu sich selbst.

Ein Buch, das in mir große Erwartungen geweckt hat und sie nicht erfüllen konnte. Die ersten 150 Seiten waren nicht gerade einfach für mich und ich hegte mehr als einmal den Gedanken das Buch beiseite zulegen. Es folgten einige interessante Wendungen, die in mir die Hoffnung weckten. Insgesamt bediente das Buch am Ende zu viele Klitsches. Ein erzwungenes Happy End. War das wirklich notwendig?

Der Susan-Effekt | Peter Hoeg 

Susan ist Experimentalphysikerin, hantiert gern mit dem Brecheisen und bäckt nachts um drei Croissants für ihre Familie. Und sie hat eine außergewöhnliche Gabe: Jeder, der mit ihr spricht, wird absolut aufrichtig. Jetzt soll sie einem hochrangigen Justizbeamten ein geheimes Protokoll beschaffen: Ein Gremium hochkarätiger Wissenschaftler erforscht die Gefahren der Zukunft. Doch plötzlich kommt ein Mitglied nach dem anderen auf grausame Weise um. Mit irrwitzigen Einfällen, technischem Know-How und ihrem einzigartigen Effekt kämpft Susan darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Eine Geschichte, die mich von den ersten Seiten an in ihren Bann zog. Das Szenario ist gleichermaßen intelligent, spannend und irgendwie auch abgedreht. Mit Susan steht eine starke Frau im Mittelpunkt der Geschichte, der sich für Forschung und ihre Familie einsetzt. Diese Geschichte hat mich gepackt, so dass ich das Buch in den Tagen in denen ich es las kaum aus den Händen legen konnte. Schreibstil und Wortwahl waren ganz wunderbar und machen dieses Buch für mich zu einem meiner Highlights im September.

Ich habe vor Jahren „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ gelesen. Das gefiel mir damals auch sehr gut. Hast du noch andere Bücher von Peter Hoeg gelesen und kannst mir eines empfehlen?

Diese gottverdammten Träume | Richard Russo

Empire Falls, eine Kleinstadt in Maine: Seit über zwanzig Jahren arbeitet Miles Roby im örtlichen Diner. Hier versammelt sich die ganze Stadt, vom Fitnessstudiobesitzer bis zum Schuldirektor. Miles selbst hat das College abgebrochen, ist geschieden und lebt in einer winzigen Wohnung über dem Restaurant. Und während er sein Bestes gibt, seiner Tochter dabei zu helfen, die Highschool zu überstehen, seinen trinkfreudigen Vater zu bändigen und dem Job im Diner gerecht zu werden, bleibt nicht viel Raum für das, was er sich vom Leben erhofft hat. Seine Verpflichtungen fesseln ihn an die Stadt, und erst als die äußeren Umstände ihn dazu zwingen, gelingt es ihm, Empire Falls zu verlassen. Er flieht mit seiner Tochter an den gemeinsamen Sehnsuchtsort Martha’s Vineyard. Seit Jahren spielt er mit dem Gedanken, sich hier niederzulassen.

Ein spontaner Einkauf in der liebsten Buchhandlung. Vor Wochen schon. Ich kann nicht mehr so genau sagen wieso. Der doch recht große Umfang des Buches, weckte in mir ein bisschen Angst, dass es sich doch sehr in die länge ziehen könnte, aber weit gefehlt. Ganz wundervoll und detailreich erzählt zog sich die Geschichte für mich kaum. Besondere Betrachtungen des alltäglichen Lebens mit einer guten Portion Tragik in einer amerikanischen Kleinstadt. Die Geschichte eines Mannes, der die Träume seiner Jugend nicht ausgelebt hat.

Acht Berge | Paolo Cognetti 

Eine unerschütterliche Freundschaft. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Heimat

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?

Eine schöne Geschichte über eine Freundschaft, die die Zeit übersteht. Ich konnte allerdings zu der Geschichte keine besondere Verbindung aufbauen. Vielleicht liegt es daran, dass sie so eine enge Verbindung zu den Bergen hat und das ein Setting ist mit den ich mich nicht ganz so wohl fühle.

Wenn du also eine Affinität zu Bergen jeglicher Form hast, könnte dir diese Geschichte ganz wunderbar gefallen.

Die Erfindung der Flügel | Sue Monk Kidd

Zwei Frauen, die die Welt verändern

Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …

Die amerikanischen Südstaaten zu Zeiten in denen Sklaverei noch auf der Tagesordnung stand. Abwechselnd erzählt aus der Sicht von zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Zwei Frauen, die im Lauf ihres Lebens auf gänzlich unerwartete Weise ihre eigene Stimme finden, in einer Zeit in der Frauen keine  eigene Stimme zugestanden wird. Inhaltlich grandios, sprachlich war ich nicht besonders angetan.

Neujahr | Juli Zeh

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen – etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Auch Tage nachdem ich diese Geschichte zu Ende gelesen habe, fehlen mir phasenweise noch die Worte. Definitiv eines meiner Highlights dieses Jahr. In diesem recht dünnen schafft es Juli Zeh eine unvergleichliche Spannung aufzubauen, die sich wie in einem Feuerwerk entlädt. Was wohl in der Vergangenheit passiert ist, dass der Protagonist bis heute fast perfekt verdrängt hat? Wie schlimm mag es wohl sein, dass es heute noch Panikattacken hervorruft? Sprachlich und inhaltlich ganz wunderbar.

Angelesen

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Das Büro 1 – Direktor Beerta | J.J. Voskuil – ein neuer Versuch dieses Buch zu lesen. Ich habe es dieses Jahr schon einmal angelesen und hatte jetzt im Urlaub die Muße mich noch einmal einzulesen. Ich glaube, ich fühle mich gut unterhalten.

Asymmetrie | Lisa Halliday – hier bin ich gespannt wie sich die Geschichte weiterhin entwickeln wird. Sprachlich gefällt es mir bisher sehr gut, allerdings habe ich bislang große Probleme in Sachen Sympathie mit der Protagonistin.

Welche Bücher haben dich in letzter Zeit begeistert? Hast du das ein oder andere Buch, das ich vorgestellt habe, vielleicht auch schon gelesen?