Ausgelesen & Angelesen | Oktober 2018

Hier kommt mein Lesemonat Oktober für dich.

Drei Bücher ausgelesen. Ein Buch angelesen.

Jedes dieser Bücher war besonders für mich. Sie haben mich auf vielen verschiedenen Gefühlsebenen berührt. Mir das volle Spektrum an Gefühlen abverlangt. Jedes einzelne hallt noch in meinen Gedanken nach.

Ausgelesen

Asymmetrie | Lisa Halliday 

Zwei ungleiche Geschichten: eine Liebe in New York, Verhöre in London. Lisa Halliday schreibt über Liebe und Leiden, Macht und Ehrgeiz.
Es beginnt mit einer Eiswaffel, auf einer Bank im Central Park. Hals über Kopf stürzt sich Alice in eine Lovestory mit dem berühmten Schriftsteller Ezra Blazer. Sie ist 25, er in seinen Siebzigern. Ein erotisches, tragikomisches Kammerspiel – doch dann setzt eine ganz andere Erzählung ein. Amar, ein amerikanisch-irakischer Doktorand auf dem Weg nach Nahost, wird am Londoner Flughafen in Gewahrsam genommen. Und landet im Vakuum von Wartesälen und endlosen Verhören. Subtil verwebt Lisa Halliday die zwei so ungleichen Geschichten zu einem kühnen, provokanten Roman. Sie schreibt über die Machtgefälle, die unsere Welt durchziehen, zwischen Jung und Alt, Glück und Talent, dem Persönlichen und Politischen.

Klappentext

Verwirrt. Hochgradig. Das war meine erste Reaktion auf diese Geschichte. Ich wusste lange nicht, ob es ein Meisterwerk ist oder ob ich mich ärgern soll. Du findest in diesem Buch zwei Geschichten, die bei oberflächlicher Betrachtung keine Verbindung haben. Doch, wenn du genauer hinsiehst, wirst du Verbindungen finden und Gegensätze. Machtgefälle auf unterschiedlichsten Ebenen.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir trotz allem ein Fest war dieses Buch zu lesen. Denn diese Geschichte hat maßgeblich dazu beigetragen meine Sinne zu schärfen. Wachsam zu sein. Zu beobachten. Zu hinterfragen.

Die Hochhausspringerin – Julia von Lucado

Riva ist Hochhausspringerin – ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen.

Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert? „Die Hochhausspringerin“ führt in eine brillante neue Welt, die so plausibel ist wie bitterkalt. Julia von Lucadou erzählt von ihr mit der Meisterschaft der großen Erzählungen über unsere Zukunft.

Klappentext

Als Leser erlebte ich Hitomis Schicksal aus der Nähe und das von Riva aus der Ferne. So wie Hitomi Riva beobachtet und Mutmaßungen über Rivas Beweggründe und ihr Handeln anstellt, so habe ich als Leser meine eigenen Mutmaßungen angestellt. Die Art und Weise wie diese Geschichte aufgebaut ist, lädt mich ein weiterzudenken und meine eigenen Beweggründe zu hinterfragen. Warum mache ich das? Möchte ich das wirklich oder tue ich es, weil es von mir erwartet wird?

Für mich ist das eine Geschichte, die mich persönlich sehr berührt hat. Schicksale, die mich zum Nachdenken anregen, denn Leistungsorientierung ist Teil meiner Persönlichkeit. Hin und wieder brauche ich Menschen oder Bücher, Schicksale oder Geschichten, die mich wachrütteln und mir neue Denkanstöße geben. Ich liebe Geschichten, die so in mir nachwirken.

Das Weiße Schloss – Christian Dittloff

„Eltern? Das sind die anderen.“

Ada und Ives wollen ihr Kind ab der Zeugung in der Eliteeinrichtung der Weißen Schlosses aufwachsen lassen, um sich ihr selbstbestimmtes Leben zu bewahren – ein mutiger Roman über neue Elternschaft und die Grenzen persönlicher Freiheit.

Klappentext

Wie sieht die Zukunft unserer Gesellschaft aus? Diese Geschichte spielt in einer Zukunft, die vielleicht nicht allzu weit entfernt ist. Ein Paar, das ein Kind kriegen möchte ohne die Unabhängigkeit und die Privilegien ihres Lebens aufzugeben. Christian Dittloff wirft unbequemen Fragen auf. Was bedeutet es Eltern zu sein? Wann ist man ein Vater und wann eine Mutter? Wo fängt Familie an?

Ich will ehrlich mit dir sein. Familienplanung ist gerade kein Thema für mich. Dennoch ist das Thema und wie Christian Dittloff es umsetzt wahnsinnig interessant. Sprachlich und stilistisch für mich wahnsinnig gut gelungen!

Angelesen

Das Büro 1 – Direktor Beerta | J.J. Voskuil 

1957. Maarten Koning, ein etwas schüchterner Akademiker, heuert im Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur in Amsterdam an, ebenjenem „Büro“, das von Direktor Beerta geleitet wird.

„Ich werde meine Sache so gut machen, wie es mir möglich ist. So wie ein Tischler einen Schrank macht“, versichert Maarten, doch eigentlich ödet ihn die Arbeit schnell an. Trotzdem erstellt er mit Akribie Landkarten, auf denen verzeichnet wird, in welcher Region man welchem Aberglauben anhängt. Zugleich schildert Voskuil mit großer Detailfreude den Büroalltag, in dem nach Herzenslust gemobbt und gefaulenzt wird.

Daheim erwartet ihn seine Frau Nicolien, die nicht verstehen kann, warum man sein Leben mit Erwerbsarbeit verschwendet. Maartens Leben ist eine einzige Sinnkrise, er verzweifelt an seinem Tun – und kehrt dennoch Tag um Tag ins Büro zurück. Sein Alltag ist für uns ein Lesevergnügen!

Ich weiß, was du jetzt sagen wirst. Lag das nicht schon letzten Monat auf meinem Angelesen-Stapel? Ja, das stimmt. Ich komme langsam voran und lese immer wieder ein bisschen. Das macht Spaß, aber ich verkrafte die Darstellungen des Büros nur in kleinen Dosen, denn phasenweise erinnert die Geschichte mich zu sehr an Dinge, die ich aus der Arbeit kenne. Weil das nach einer Weile dazu führt, dass ich anfange mich zu ärgern, lege ich das Buch relativ schnell wieder weg. Es ist perfekt für zwischendurch, auch wenn viel zu schwer ist, um es irgendwohin mitzunehmen. Mal sehen, ob ich bis Ende November größere Fortschritte erzielen kann.

Welche Bücher haben dich in letzter Zeit begeistert? Hast du das ein oder andere Buch, das ich vorgestellt habe, vielleicht auch schon gelesen?

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