Grenzwerte – Max Czollek

mit Illustrationen von Mario Hamborg

Lyrik. Das ist doch nichts für mich.

Das hab ich zumindest sehr lange gedacht und so weit es geht Abstand gehalten. So gut es geht. So lange es geht.

Und dann bin ich immer wieder über Texte gestolpert. Mal hier mal dort. Und hin und wieder war etwas dabei, das ich gut fand oder zumindest nicht absolut unverständlich. Und dann war da diese Lesung anlässlich der Buchmesse in Leipzig. In diesem winzigen Laden, der antiquarischen Kram verkauft. Die Lesenden waren Autoren des Verlagshauses Berlin. Ich war ein bisschen verzaubert.

Das kannte ich so nicht. Lyrik, die noch lange in mir nachhalte. Eindrücke, die ich intensiveren wollte. Ich geb es zu: Mich hat der Ehrgeiz gepackt. Was ist das mit Lyrik und mir? Kann das funktionieren? Was lösen diese Texte in mir aus? Ich las von Anna Hetzer – Kippbilder und Odile Kennel – Horse Texte.

wenn du bei einer lyriklesung bist und nichts verstehst

bist du richtig.

Grenzwerte – Max Czollek

Ich fühle mich weit davon entfernt, irgendetwas in der Ganzheit dessen zu begreifen, was die Schreibenden sich dabei denken. Nach und nach lege ich diese Erwartungshaltung ab. Fühle mehr und denke nicht mehr ganz so viel darüber nach. Erzwinge es nicht den Text zu begreifen. (Ich erinnere mich noch daran, dass meine Abiturprüfung in Deutsch zum Thema hat, ob es einen richtigen Weg geben würde Lyrik zu begreifen. Seltsam, warum mir das gerade jetzt wieder einfällt) Im letzten Jahr habe ich mich dafür entschieden ein feines Lyrikabo abzuschließen. Mir gefällt diese Idee sehr – schaut gerne mal auf der Website vorbei, falls ihr euch dafür interessiert und es noch nicht kennt. Und so flatterte Grenzwerte von Max Czollek in mein Haus.

Ein Stück Klappentext.

Max Czolleks neuer Gedichtband Grenzwerte ist eine Grand Tour durch Orte, Diskurse – und durch die Geschichte. Denn Dichtung ist bei Czollek immer auch ein Sprechen der Vergangenheit: Eine Form von Gegenwartsbewältigung. Der Ungleichzeitigkeit der Zeit – dieser kette aus kalenderblättern / dem gefühl, als wäre beim reißverschluss der schieber kaputt – begegnet Czollek mit den Mitteln der Dichtung, mit Metapher und Collage. Dabei ist er kein passiver Chronist, seine Verse sind jederzeit bereit, zurückzuschlagen, sich Sprachordnungen anzueignen und neu zu formatieren. Und so ist Grenzwerte nicht nur ein Logbuch der Gegenwart, sondern auch eines des Dichters selbst: ich komme mir vor, als säße ich in einem meiner gedichte / und vielleicht tue ich das auch.

ob geschichte unsere größte verletzung bleibt, steht noch dahin, steht alles noch dahin

Grenzwerte – Max Czollek

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Ich kann jetzt anfangen zu analysieren, aber lass mich ehrlich sein: ich möchte das jetzt gar nicht.

Und ich kann auch nicht.

Was ich kann ist dir erzählen, dass ich es mag, wie sich Max Czollek zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegt. Ich mag das Gefühl. Dieses Gefühl von: oh. so hatte ich das noch gar nicht gesehen. ich wäre nicht auf die Idee gekommen das Thema aus diesem oder jenen Blickwinkel zu betrachten. Manche Zeilen überrumpeln mich förmlich. Ich fühle mich ertappt. Warum bin ich nicht darauf gekommen?

ist eine fehlerhafte autokorrektur, auch ein freudscher versprecher

Grenzwerte – Max Czollek

Lyrik und ich. Wir fangen an miteinander warm zu werden. Es ist nicht die große Liebe. Das wird es wohl nie sein. Es sind schöne Begegnungen, es ist wie einen Menschen langsam besser kennen und schätzen zu lernen. Es ist schön etwas neues zu entdecken.

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