Frau im Dunkeln – Elena Ferrante

aus dem Italienischen von Anja Nattefort

Körperliche Müdigkeit ist wie ein Vergrößerungsglas.

Ich habe letztes Jahr die Mutter einer Freundin besucht, die in einer Bücherei hier in der Gegend arbeitet. Ich blieb vor einem Regal mit nicht einsortierten Büchern stehen. Sie erklärte mir, dass oft Bücher gespendet werden und nicht alle ihren Weg in den Bestand der Bücherei finden. Ob ich mir ein oder zwei Bücher mitnehmen möchte? Klar! Da konnte ich nicht nein sage. Und so griff ich zum ersten Teil der Neapolitanischen-Saga. (also, was ist dran an diesem Ferrante-Fieber?) Es war ganz nett, aber mehr nicht. Kann mir gut vorstellen die weiteren Teile irgendwann als Urlaubslektüre zu lesen. Über Instagram wurde ich auf die Frau im Dunkeln aufmerksam und so zog das Buch schließlich als Quartalskauf in der schönen Büchergildeausgabe bei mir ein.

Ein Stück Klappentext.

Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen – an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter …
Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Was das Buch ausmacht und was es mit mir gemacht hat.

Die Geschichte ist stimmig. Die Figuren, das Setting und die Situationen die gezeichnet werden passen ingesamt gut zusammen. Der Text liest sich flüssig. Ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt. Durch das ganze Buch zieht sich eine äußerst beklemmendes Gefühl.

Das zentrale Thema ist Mutterschaft. Und naja. Abgesehen von der Beziehung zu meiner Mutter, kann ich zum Thema Mutterschaft rein gar nichts sagen. Dennoch hat mich die Perspektive, die Elena Ferrante in der Figur von Leda aufspannt fasziniert. Sie beleuchtet eine dunklere Seite des Mutterseins, was ich spannend finde. In manchen Punkten konnte ich mich relativ gut in die Gefühle von Leda hinein fühlen, aber der komplette Aspekt, warum sie von dieser Puppe so fasziniert ist, erschließt sich mir nicht im Entferntesten.

Was man Kindern hinter verschlossenen Türen nicht alles antut und sagt.

Insgesamt versöhnt mit diese Geschichte etwas mit meinem ersten Eindruck von Elena Ferrante. Höchstwahrscheinlich auch deshalb, weil dieses Buch sich konzentrierter anfühlt, als „Meine geniale Freundin“

2 Antworten auf „Frau im Dunkeln – Elena Ferrante

  1. Hallo meine allerliebste Maren

    Es ist so schön, dass dein Blog nun wieder zu leben beginnt und ich freue mich schon so aufs Stöbern, das ich mir in den nächsten Tagen unbedingt gönnen werde.

    Ich habe imemr noch nie etwas von Elena Ferante gelesen und gerade „Frau im Dunkeln“ habe ich mir schon öfters angesehen, es wurde ja durchaus kontrovers besprochen (wie alle Werke der Autorin eigentlich).

    Alles Liebe und ich freue mich auf jeden weiteren Beitrag von dir
    Livia

    Gefällt 1 Person

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