Gelesen | Mücken an der Wand – Ruth Frobeen

Unerwartet.

Für mich ist es dieses Wort, das am besten beschreibt, wie mich diese Geschichte erwischt hat. Nämlich vollkommen unerwartet und mit Gefühlen, die ich diesem Buch nicht zugetraut hätte.

Also. Worum geht es?

Erotikautorin Ylvie Unverdorben will dem Medienzirkus den Rücken kehren und sich endlichen mit dem Thema auseinandersetzen, das sie seit Jahren verdrängt: den Selbstmord ihres Bruders.

Sie war nach außen ein funkelnder Stern, aber tief in ihrem Inneren schluckte die Dunkelheit jedes Licht.

Mücken an der Wand – Ruth Frobeen (S. 12)

In einem winzigen Küstenort will Ylvie eigentlich nur in aller Einsamkeit ihr bisher persönlichstes Buch fertigbringen. Sie landet eher zufällig auf Island – einem geheimnisvollen Land, das in einer Nebelsuppe schwimmt, voller Elfenmythen steckt und bei Sylvie doch für Klarheit sorgt.

Unerwartet findet Ylvie hier eine Freundin fürs Leben, Ihre große Liebe und einen neuen Zugang zu ihrer eigenen Geschichte. Und so verschiebt sich der Rand der Welt zu Ylvies neuem Lebensmittelpunkt.

Ein Buch voller Mücken, die an der Wand sitzen und nur darauf warten, loszufliegen.

Was ich darüber denk und was es mit mir gemacht hat?

Der Anfang war nicht leicht. Wirklich? Dein Ernst? Erotikautorin Ylvie Unverdorben. Noch mehr Klischees gefällig? Klar, denn um das unverarbeitete Trauma, das durch den Selbstmord ihres Bruders ausgelöst wurde, in Angriff zu nehmen fährt sie nach Island … Wie einfallslos.

Dennoch ist da die liebevolle persönliche Widmung der Autorin von der ich das Buch zugeschickt bekommen hatte. Und was soll ich sagen: Irgendwie trug diese dazu bei, dass ich dem Buch eine mittelgroße Chance einräumte.

Und am Ende des Tages ist es vielleicht nicht die Geschichte an sich, die mich sehr berührte, sondern viel mehr einzelne ausgewählte Worte. Worte, die mein Herz berührt und meine Seele erschüttert haben. Wahrheiten, die mich daran erinnern, dass manche Menschen eben so sind wie sie sind. Ich kann vieles nicht ändern. Es ist passiert. Es ist vergangen. Und es gibt Menschen, die brauchen das Drama oder den Schmerz. Das ist tragisch aber es is wohl so.

Man konnte einen Teil von sich nicht einfach löschen wie man ein paar dumme, geschriebene Wörter einfach löschte.

Die eigene Vergangenheit tanzt immer im Staub der Zeit, dachte Ylvie. Manchmal fällt Licht auf sie – und manchmal nicht.

Mücken an der Wand – Ruth Frobeen (S.85)

Mein Fazit

Ich mochte diese Geschichte. Irgendwie. Es ist eine nette Geschichte, die mich Seite für Seite ein bisschen mehr in Beschlag nahm. Für meinen Geschmack ein bisschen vorhersehbar und behaltet mit Klischees. Und dennoch: Da sind diese fein gewählten Worte, die mich nachdenken lassen. Über meine Vergangenheit. Über Möglichkeiten. Und nicht zuletzt darüber, dass Island ein gutes Reiseziel sein könnte.

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