Gelesen | Wir sagen uns Dunkles – Helmut Böttiger

Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan.

Es ist die Geschichte einer unmöglichen Liebe.

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Ingeborg Bachmann war mir ein Begriff – sie konnte ich einordnen. Aber beim Namen Paul Celan konnte mein Kopf keine Verbindung herstellen. Es heißt sie wären zwei der einflussreichsten Dichter der Nachkriegszeit. Es gibt Verbindungen zur Gruppe 47. Ihre Geschichte ist von der Liebe zur Sprache nur so durchdrungen. Doch ist es vielleicht gerade das, was ihnen schlussendlich zum Verhängnis wird.

Ein paar Worte vorab. Ich lese selten Sachbücher. Und dass ich diese Chronologie in die Finger bekam, grenzt beinahe an Zufall. Nur glaube ich nicht an Zufall. Umso glücklicher bin ich, dass dieses Buch mir die Werke dieser beiden Schriftsteller schmackhaft machte. Denn Lyrik und ich. Auch das ist ein schwieriges Thema. So sehr ich Sprache und Worte und ihre Wirkung liebe, so sehr fehlt mir oft der Zugang zu den Werken, die sie hervorbringt. Und doch ist da diese Faszination, die tief in mir verankert ist. Sie lässt mein Herz hüpfen, wenn ich über schöne Sprache stolpere. Sie zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Es ist die Liebe für Sprache, die mein Herz und meine Seele erfüllt.

Das Lesen dieses Buches war zunächst auch ein kennenlernen der beiden Personen, um die sich das Buch dreht. Und so gab es doch die ein oder andere Beschreibung in der ich mich wiedererkannte.

Bei aller Redegewandtheit war er des Öfteren so sehr vom Gefühl beherrscht, dass er ganz plötzlich verstummte und sich verabschiedete, um später in einem kurzen Brief, den er selbst überreichte, das zu sagen, was er vorher nicht hatten aussprechen können (S.29)

Ist es die Liebe für Sprache und Ausdrucksweise, die dazu führt, das Paul Celan und auch mir regelmäßig die Worte fehlen. Dass ich nicht in der Lage bin meinem Gefühl Ausdruck zu verleihen? Und doch bin ich diejenige die dann schweigt und diesem Gefühl niemals Ausdruck verleiht. Oft ärgere ich mich noch Wochen später, nicht gesagt zu haben was ich empfand, wenn mir die Worte fehlten. Da ist Paul Celan schon anders und überreicht seine Worte in geschriebener Form, doch auch er wagt es nicht sie auszusprechen.

Die Geschichte dieser unmöglichen Liebe ist geprägt von sich nah sein, sich verpassen, den Moment verpassen. So oft sie sich einander annähern, so oft entfernen sie sich von einander. Ein ums andere Mal tragischer. Die Faszination dieser Geschichte ist bei aller Tragik und Dramatik in der Verbindung zur Sprache der beiden verborgen. Ihre Rezeption, die Bezüge in Ihren Werken auf Motive des jeweils anderen.

Ich glaube,dass Helmut Böttiger mit seinem Buch einen kleinen Ausschnitt dessen abbildet, was möglicherweise zwischen diesen beiden großartigen Dichtern gewesen ist. Es existieren viele Fragezeichen. Es gibt viel Ungewissheit. Zu gerne würde ich mit den beiden persönlich über Ihre Beziehung sprechen. Das ist nicht möglich und doch ist da dieser Teil in meiner Vorstellungskraft, der mit Ingeborg Bachmann in Italien in einem Kaffee sitzt und mit ihr über Paul Celan und seinen letzten Brief spricht.

Dieses Buch hat mir eine Neugier geweckt mehr von den beiden zu lesen. Über sie gibt es viele Spekulationen, aber ich habe das Bedürfnis in Ihre Werke einzutauchen.

Wenn du mir also etwas von Ingeborg Bachmann empfehlen würdest, würde ich mich sehr freuen! Von Paul Celan liegen gerade gesammelte Gedichte auf meinem Nachttisch in die ich bei Gelegenheit eintauchen werde. Aber auch hier bin ich für Empfehlungen und eure Meinung offen.

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