Gelesen | Unterleuten – Juli Zeh

Ich hatte Juli Zeh nicht auf dem Schirm. Wirklich. Es gibt super bekannte Autorinnen und Autoren von denen ich bislang nicht eine Seite gelesen habe. Ich kann dir nicht sagen wieso das so ist, aber fällt mir dann doch ein Buch in die Hände, das mir gut gefällt, bin ich glücklich zu wissen, dass ich mich durch weit mehr als die aktuellste Veröffentlichung hindurch lesen kann. So war „Leere Herzen“ das erste Buch von Juli Zeh, dass seinen Weg beim Stöbern in der Buchhandlung in mein Zuhause fand. Der Schreibstil gefiel mir. Es gibt ja immer viele Stimmen zu Büchern. So unterschiedlich Meinungen und Ansichten sind, so unterschiedlich sind auch wir Leser. So unterschiedlich ist unsere Geschichte mit einer Autorin und Ihrem Werk. In meinem Fall eine sehr kurze Geschichte mit Juli Zeh. Mit meiner Erinnerung an „Leere Herzen“ im Hinterkopf, las ich also „Unterleuten“

Mit dem Dorf stimm was nicht. Ganz massiv.

Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, den den Ort nach der Wenden prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten  wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.

Ich bin ja in so einem Dorf aufgewachsen. Nicht in Brandenburg. Nicht annähernd wie Unterleuten. In Bayern. Ein Dorf. Beim Lesen musste ich oft schmunzeln, denn so unterschiedliche das Dorf in dem ich aufgewachsen bin sich von Unterleuten unterscheidet, so sehr ähneln sich doch die Charaktere, die darin zu finden sind. Juli Zeh zeichnet die Charaktere stark überzeichnet. Mitunter hatte ich das Gefühl, dass sich vor meinem inneren Auge Karikaturen entwickeln. In Phasen hatte ich Probleme die Handlung ernst zu nehmen, denn so sehr die Charaktere überzeichnet sind, so sehr sind die Handlungen überzogen, die sie ausführen. Von Beginn an kommt mir jede Situation und alles was passiert überspitzt und absurd vor. Das mag einige hundert Seiten lang amüsant sein und ich habe es wirklich genossen. Dennoch ist das Beziehungsgeflecht und die Anzahl an Situationen, die Juli Zeh zwischen den Dorfbewohnern entwickelt zu viel.

Am Ende des Tages hat sich das Buch für mich zu sehr in die Länge gezogen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte kürzer geblieben wäre, an der ein oder anderen Stelle weniger Ereignisse, weniger Beziehungen. Mir ist bewusst, dass diese Komplexität charakteristisch für dieses Buch und dennoch habe ich das Gefühl, dass es am Ende zu viel für mich war.

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