Gelesen | Abels Tochter – Jeffrey Archer

Sommer 2017. Nachdem ich Kain und Abel von Jefrey Archer (ich verlinke euch hier noch mal meine Rezension dazu, denn ohne diese ergibt diese Rezension relativ wenig Sinn) gelesen hatte, konnte ich es nicht erwarten den zweiten Teil der Saga zu lesen und so fand eine gebrauchte Ausgabe von Abels Tochter ihren Weg in meinen Besitz. Ich liebe alte Bücher, denn sie haben ihre Geschichte schon erzählt. Ich liebe den Gedanken nicht die erste zu sein, die dieses Buch liest. Kitschig, oder? Was soll ich sagen? Ist so. Setz es auf die Liste mit buchbezogenen liebevollen Macken, die ich mir als begeisterte Leserin im Laufe der Zeit zugelegt habe. Die Liste ist lang.

Zwischen Liebe und Politik steht das Schicksal

Florenty die Tochter Abel Rosnovskis, des legendären „Chicago Baron“, ist bildschön, hochbegabt, ehrgeizig und die Erbin einer der größten Hotelketten der Welt. Der Vater liebt sie abgöttisch und sie vergöttert ihn – aber sie begeht eine Todsünde: Sie liebt und heiratet den Sohn seines Todfeindes William Lowell Kane.

Aber zurück zu Abels Tochter. Wir lernen Florentina Rosnowski – die Tochter von Abel – bereits in Kain und Abel kennen. Ein großer Teil der Geschichte in diese Buch wird dir also bekannt vorkommen, wenn du den ersten Teil der Saga bereits gelesen hast. Vielleicht empfindest du das als störend oder nicht notwendig, aber da im ersten Teil der Fokus nicht so sehr auf Florentynas Sicht der Geschichte lag, finde ich es gut, dass hier tatsächlich Ihre Geschichte erzählt wird. Die Geschichte einer Frau, die einen Traum hat und bereit ist für diesen Traum zu kämpfen. Eine Frau, die in einer Zeit, in der es ihr es nur wenige zutrauten, eine Karriere hinlegt, die unvergleichlich ist. Eine Karriere von der viele Frauen heute kaum zu träumen wagen. Unternehmerin. Politikerin. Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Besonders interessant finde ich euch, wie das Thema kulturelle und geschlechtsbedingte Vorurteile und Hindernisse beleuchtet wird. Bereits in ihre frühen Jugend kommt Florentyna aufgrund ihrer ambitionierten Träume und Ihrer polnischen Herkunft als Amerikanerin in der dritten Generation mit Ihrer Hauslehrerin in ein Gespräch über Vorurteile:

„Glaubst du, dass ein Pole Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte?“

„Natürlich, wenn die Amerikaner ihre Vorurteile ablegen.“

„Und wie ist es mit einem Katholiken?“

„Das wird sehr bald nebensächlich werden.“

„Und eine Frau?“, fragte Florentina.

„Das mag etwas länger dauern, mein Kind.“

Die Geschichte wurde 1982 veröffentlicht und auch, wenn in diesem Bereich schon viele Fortschritte gemacht wurden, so habe ich das Gefühl, dass dieses Gespräch heute noch genauso wichtig ist, wie es damals war. Immer wieder begegnen dir Vorurteile und es ist deine ureigenen Aufgabe dich darüber hinwegzusetzen. Für mich als Frau ist es heute viel selbstverständlicher als damals eine Karriere in der freien Wirtschaft anzustreben und dennoch begegne ich immer wieder Vorurteilen. Wieso spielt meine Familienplanung eine Rolle und die eines männlichen Kollegen nicht? Wieso ist es zickig, wenn ich als Frau Durchsetzungsvermögen beweise? Wieso sind gewisse Ebenen in der Wirtschaft bislang immer noch Männerdomänen? Du merkst, ich könnte diese List beinahe endlos weiterführen. Was ich mit dir teilen möchte ist aber nicht das Problem, sondern ein Weg damit umzugehen. In diesem Weg hat Florenty Rosnowski mich bestärkt. Ja, es gibt Vorurteile. Und ja, es gilt diese zu überwinden. Das kannst du am allerbesten für dich selbst tun. Sei ein leuchtendes Beispiel für junge Frauen und Mädchen. Geh deinen Weg. Lass die Vorurteile genau das bleiben und geh einen Weg, der nicht dadurch bestimmt ist, was andere sagen, wie du sein müsstest oder wie dein Leben aussehen sollte. Das ich für mich beschlossen. Diesen Weg gehe ich. Ich erlebe Rückschläge und Erfolge. Ob ich zweifle? Klar. Ob ich Angst habe? Oh ja! Ob ich das Ziel bereue, dass ich mir in den Kopf gesetzt habe? Nein. Ob ich meine Vision bereue? Nein. Ich liebe den Weg, den ich eingeschlagen habe und wenn ich eines Tages dadurch auch nur ein Mädchen oder eine junge Frau inspirieren kann Ihren Weg zu gehen, dann ist es das mehr als wert.

Du merkst, dass dieses Buch mich auf einer Ebene berührt hat, die weit tiefer geht als das Lesen einer Geschichte. Florentyna hat mich berührt. Ihre Geschichte ist eine Geschichte, die geliebt habe. In manchen Teilen des Buches hat sich alles etwas in die länge gezogen und gerade der Teil der Vergangenheit war über Phasen etwas langatmig und hätte meiner Meinung nach auch kürzer gehalten werden können.

Alles in allem bestätigt Jeffrey Archer für mich in diesem Buch seinen Ruf: Einer der größten Geschichtenzähler unserer Zeit.

Bis ich Teil 3 las dauerte es dann doch ein bisschen, aber im Frühjahr/Sommer 2018 sollte auch der dritte Teil der Saga seinen Weg zu mir finden und gelesen werden. Der Fokus bewegt sich etwas von der Geschichte der Rosnowskis weg und ist deutlich kürzer gehalten als die ersten beiden Bände. Mehr dazu gibt es bald hier.

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