Gelesen – Kennen Sie diesen Mann? – Carl Frode Tiller

Was ist Wahrheit? Was ist Lüge? David hat sein Gedächtnis verloren. Er weiß nicht mehr, wer er ist. Deshalb stellt er Fragen. Und seine Freunde geben Antworten. Aber sind es die richtigen?

Am Anfang steht eine Zeitungsanzeige. David hat sein Gedächtnis verloren und auf seinen Aufruf hin, melden sich drei Personen, die in der Vergangenheit verschieden intensive Beziehungen zu ihm hatten: ein alter Freund, sein Stiefvater und eine alte Freundin aus Schulzeiten.

Die Geschichte wechselt für jeden Erzähler zwischen den Briefen, die sie an David schreiben und Schilderungen ihrer gegenwärtigen Situation ab. Für mich kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass ich in diesem Buch weit aus weniger über David erfahren würde als ich mir vorgestellt hatte. Viel mehr wird durch die Briefe an ihn offenbart, was der jeweilige Schreiber des Briefes vermitteln möchte. Wie weit das von der Realität entfernt ist? Interpretationssache. So wie auch unsere Wahrnehmung von Menschen und unseren Beziehungen zu ihnen sehr subjektiv ist und je mehr Zeit verstreicht, desto mehr romantisieren wir die Erinnerungen, die wir an eine Beziehung oder einen Menschen haben. Was bleibt also übrig von der tatsächlichen Erinnerung?

Und dann ist da natürlich noch der Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Können wir von anderen wirklich so viel über uns selbst erfahren, dass wir uns wieder erinnern können? Ich bin mir sicher, dass das eine Wissenschaft für sich ist und da ich mich damit nicht auskenne belasse ich es dabei. Die andere Frage, die sich mir aufdrängt ist, ob in die Hinweise, die David von seinen Freunden und seiner Familie darüber erhält wer er war tatsächlich hilfreich sind. Denn wenn wir nur mal einen Augenblick lang ehrlich sind, dann wissen wir doch  gar nicht so sehr, was unsere Familie und unsere Freunde wirklich über uns denken oder wie sie uns wahrnehmen.

Gerade aus psychologischer Sicht, fand ich das Buch sehr interessant. Es hat sich wirklich gut durchlesen lassen, allerdings hat es mich nicht nachhaltig beeindruckt, insbesondere deshalb nicht, weil ich mir gewünscht hätte tatsächlich etwas von David über seine eigene Situation zu erfahren und vielleicht auch wie er auf die Briefe reagiert.

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