Gelesen | Meine Nachmittage mit Eva – Bärbel Schäfer

Nicht das erste Mal, dass ich euch mitteile wie sehr ich Literatur über den 2. Weltkrieg schätze. Die Thematik packt mich und durch dieses Buch ist mir wieder ein Stück weit klarer geworden, warum das so ist: Das gesamte Thema ist ohne Frage furchtbar und entsetzlich und eigentlich so grausam, dass es gar nicht in Worte zu fassen ist. Und gerade deshalb schätze ich all jene Menschen, die es schaffen diese Thematik in Worte zu fassen. Ein bisschen von dem Schmerz und dem Leid einzufangen. Und nicht nur das auch Hoffnung und Liebe und den Blick in eine Zukunft, die es wert ist weiterzukämpfen. Tag für Tag immer wieder neu.

Worum es geht?

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde …

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Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers. Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.

Was ich darüber denke?

Ich wusste anfangs nicht so recht, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Ich konnte mir unter der Beschreibung, die auf dem Klappentext zu lesen ist kein konkretes Konzept vorstellen. Bärbel Schäfer erzählt von Ihren Begegnungen mit Eva, die als Kind das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat. Heute im hohen Alter findet Eva Worte für all die Grausamkeiten, die ihr widerfahren sind und wie sie sich lange Zeit in Schweigen gehüllt hat.

Es gibt keine Worte für Evas Schmerzgewitter

Bärbel Schäfer beleuchtet nicht nur den Aspekt der jüdischen Opfer. Diese Seite kennt sie sowohl aus Evas Sicht als auch aus der Sicht ihres jüdischen Ehemannes, dessen Familie auch Erfahrungen in dieser Hinsicht sammeln musste. Bärbel Schäfer ist in einer christlichen Familie aufgewachsen, aber später zum Judentum konvertiert. Sie selbst bezeichnet sich als nicht religiöse Person.

Alles war möglich, weil man nichts erzählte und damit nichts zu wissen schien.

In ihrer eigenen Familie wurde über das Thema 2.Weltkrieg ihr Leben lang geschwiegen, sie weiß so wenig und bei Nachfragen, werden ihr immer wieder nur Ausreden und Ausflüchte präsentiert. Auch diese Familie schweigt. Das Schweigen ist anders motiviert als Evas schweigen, dennoch wird auch hier geschwiegen. Diese Verflechtungen machen das Buch für mich besonders interessant, denn die Autorin ist in dieses Spannungsfeld zwischen Tätern und Opfern involviert.

Die Verflechtungen zwischen den Erinnerungen von denen Eva berichtet und den aktuellen Erlebnissen und Gedanken, die Eva bewegen ist besonders gut gelungen. Sie schafft eine Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und lässt auch den Ausblick auf eine noch ungewisse Zukunft nicht außen vor. Was gibt es zu lernen? Was haben wir noch immer nicht verstanden? Und immer wieder: Wehret den Anfängen!

Die Frage, ob man genug gefragt, genug gelesen, genug Verstanden hat um was es geht beschäftigt mich genauso sehr wie Bärbel Schäfer. Sind wir uns wirklich klar, was damals geschehen ist und was heute wieder geschieht. Sind wir bereit einen Beitrag zu leisten für eine Zukunft, die es wert ist in ihr zu leben? Ich weiß es nicht.

Zwischendurch gibt es Kapitel im Buch, die für mich teilweise absolut fehl am Platz wirken. Sie passen nicht in den Gesamtablauf – weder chronologisch noch thematisch. Sie einzuordnen ist mir bis zum Ende des Buches nicht gelungen.

Am Ende steht die Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir verstehen werden. Die Hoffnung, dass wir für unsere Werte einstehen werden. Die Hoffnung, dass wir nach unseren Werten handeln werden.

Lieblingszitat.

Denn es gibt sie, die Engel. Ihr müsst sie nur suchen. Immer wieder suchen. Ihr müsst eine so große Sehnsucht danach haben und euch anstrengen, immer wieder und allen Rückschlägen zum Trotz. Ihr werden sie finden. Daran möchte ich glauben. Daran glaube ich.

Die Teufel dürfen nicht das letzte Wort haben. Vergesst das nie!

Mein Fazit.

Ich glaube, dass Bücher zu diesem Thema wichtig sind. Daran glaube ich ganz fest. Diese Buch war insgesamt gut, aber phasenweise etwas anstrengend. Es gab Kapitel, die fehl am Platz wirkten, aber insgesamt gibt das Buch einen tollen Einblick aus einer seltenen Perspektive. Bärbel Schäfer lässt den Leser an ihren Gedanken teilhaben und an denen Evas. Gegen Ende des Buches verlangte mir das Buch dann gefühlsmäßig noch einmal alles ab. Ich saß da und wusste nicht ein noch aus.

Wir versuchen, diesen Ort zu verstehen. Er ist nicht zu verstehen. Dieser Hass, diese Gewalt ist übermächtig. Seine Willkür kaum auszuhalten.

Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen, dennoch gab es eine Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben. Ich vergebe also 3 von 5 Bewertungseinheiten.

Wie steht ihr zu Literatur zum 2. Weltkrieg? Habt Ihr für mich Buchempfehlungen zum Thema?

Alles Liebe

Maren

3 thoughts on “Gelesen | Meine Nachmittage mit Eva – Bärbel Schäfer

  1. Hallo Maren,

    ich lese schon seit meiner Jugend Bücher über den 2ten Weltkrieg. Eine gewisse Zeit habe ich Pause gemacht, mich eher anderer Literatur gewidmet und jetzt in den letzten zwei oder drei Jahren wieder damit angefangen.
    Hast du denn schon Jakobs Mantel gelesen? Das Buch fand ich auch sehr bewegend.
    Deine Rezension macht mich neugierig auf das Buch. 🙂

    Alles Liebe
    Corinna

    1. Hi Corinna, ich glaube die Phase hatte ich nach dem Abitur auch mal. Gerade lese ich solche Bücher wieder richtig gerne! Jakobs Mantel habe ich noch nicht gelesen, aber ich schaue es mir auf jeden Fall mal an! Liebe Grüße Maren

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