Gelesen | Tschick – Wolfang Herrndorf

Mein erstes Buch von Wolfgang Herrndorf. Tschick ist auf einem ganz besonderem Weg in meine Hände gefunden. Denn aufmerksam geworden bin ich auf Wolfgang Herrndorf durch einen Livestream der wunderbaren Buchhandlung ocelot aus Berlin (ich war selbst noch nie dort, aber die Livestreams lassen meine Wunschliste permanent länger werden). Das Buch wurde mit letztendlich von der lieben Simone zugeschickt, die das Buch einer Freundin schenken wollte, die das dann allerdings nicht haben wollte. Und so kam es diese Woche mit der Post an und innerhalb von zwei Tagen hatte ich es zu Ende gelesen.

Worum geht es?

„Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›“
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

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Meine Meinung zum Buch

Das Buch liest sich ganz wunderbar. Ich und die Erzählung sind sehr schnell miteinander warm geworden und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Ich habe das Buch förmlich verschlungen, während ich mit Maik und Tschick durch Deutschland gereist bin.

Die beiden sind als Charaktere von Anfang an sehr interessant und ich war sehr neugierig wie sich die Dynamik zwischen den beiden entwickeln würde. Aber nicht nur die Protagonisten im Buch sind außergewöhnlich, sondern ausnahmslos jede Person, die in ihrem Umfeld ist und der sie begegnen. Vermutlich liegt das aber auch daran, dass alles was beschrieben und berichtet wird besonders wird sobald Maik es erzählt. Der Erzählstil ist von einer Leichtigkeit geprägt, die ich liebe und doch merkt man wie wohl gewählt jedes einzelne Wort ist und alles das was erzählt wird. Die Art und Weise wie Maik die Welt um ihn herum wahrnimmt und was er empfindet verleihen der Geschichte eines ganz tollen Charme.

Die Geschichte ist witzig, absurd, schön und traurig. Zu keinem Zeitpunkt ist die Geschichte kitschig. Ganz im Gegenteil gibt es viele skurrile und düstere Momente. Das Buch ist als Gesamtkomposition super gut gelungen.

Lieblingszitate

Für mich gab es keine besonders herausragenden Passagen, da die ganze Geschichte so wunderbar erzählt ist. Dennoch möchte ich euch dieses Zitat mitgeben, weil ich mich manchmal frage, ob es wirklich jeden Tag etwas gibt wofür ich dankbar sein kann. Denn ganz ehrlich manche Tage sind einfach furchtbar und dann ist es vielleicht gut, wenn er einfach vorbei ist:

Und das war das Beste an diesem Tag, dass er endlich zu Ende war.

Das Zweite Zitat ist für all die Momente, die mir die Sprache rauben, denn das passiert – öfter als ihr vielleicht denkt – obwohl ich so wahnsinnig vernarrt in unsere wunderschöne Sprache bin:

… und ich fragte mich, warum das eigentlich so schön war. Ich wollte sagen, wie schön es war, oder jedenfalls wie schön ich es fand und warum, oder wenigstens, dass ich nicht erklären konnte warum, und irgendwann dachte ich, es ist vielleicht auch nicht nötig es zu erklären.

Mein Fazit

Einfach nur: Wow! Ich bin schockverliebt in dieses Buch, in dieses Schreibstil. Ich bin positiv überrascht, dass dieses Buch mich so umhauen konnte. Eine tolle und außergewöhnliche Geschichte, gepaart mit etwas skurrilen Aspekten verpackt in einer wunderschönen Erzählung.

Ich habe es sehr gerne gelesen und bin schon gespannt darauf mehr von Wolfgang Herrndorf zu lesen.

Alles Liebe

Maren

8 thoughts on “Gelesen | Tschick – Wolfang Herrndorf

  1. Wirklich ein ganz tolles Buch. Schön, dass es dir auch so gut gefällt. Habe jetzt auch die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde und werde wohl den ganzen Tag verliebt darüber streicheln müssen und es ganz bald auch wieder lesen. 🙂
    Und den Livestream der ocelot Buchhandlung muss ich mir mal genauer ansehen, den kenne ich bisher noch gar nicht.

    1. Die Ausgabe ist der absolute Wahnsinn! ich bin total verliebt in die wunderschönen Illustrationen. Ich lese jetzt „Bilder deiner großen Liebe“ und ich glaube ich werde es ähnlich gerne mögen wie Tschick.
      Die Livestreams und auch Stories sind super. Und gerade aus den Livestreams gehe ich selten ohne Erweiterung meiner Wunschliste raus 🙂

  2. Na wenn du so begeistert bist, muss ich mir das wohl auch mal anschauen. Ich hatte bisher nie so richtig Interesse dafür aufgebracht, es hat sich aus irgendeinem Grund einfach nicht ergeben, aber jetzt bin ich irgendwie ein bisschen angefixt. Und die Ausgabe ist echt der Hammer!

    1. Ich hatte es auch ganz lange gar nicht auf dem Schirm. Generell Herndorf nicht und dann bin ich durch einen Lifestream auf „Bilder deiner großen Liebe“ gekommen und dann habe ich erfahren, dass es da Zusammenhänge zu „Tschick“ gibt. Mir haben beide sehr sehr gut gefallen! Die Ausgabe ist so so wunderschön und die Illustrationen im Inneren erst! Ach, ich bin ganz verliebt! Ich hoffe es wird dir genauso gut gefallen!

  3. Ich habe das Buch auf Empfehlung eines Dozenten gelesen und finde es es auch richtig klasse. Ich habe es als Schullektüre vorgestellt bekommen und denke, man kann damit einen interessanten Unterricht gestalten 🙂 Liebe Grüße!

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